Die amerikanische Spielzeugfirma Giant Microbes macht Erreger begreifbar, die sonst dem Auge verborgen sind. Angesichts der grassierenden Ebola-Verunsicherung erlebt ihr Geschäft gerade einen Höhenflug. Offenbar will die Welt Aufklärungsmaterial. Ebola, "der T-Rex unter den Mikroben", ein wurmähnliches Stofftierchen für 9,95 Dollar ist derzeit ausverkauft.

Nachdem in unseren Breitengraden Ebola lange Zeit als westafrikanisches Problem marginalisiert wurde, beschleicht Medienkonsumenten inzwischen ein ungutes Gefühl. Mit jedem Ebola-Fall jenseits von Afrika scheint die Bedrohung persönlicher zu werden. Dazu tragen auch die bisweilen kuriosen Überreaktionen bei: Das US-Kreuzfahrtschiff Carnival Magic fand in der Karibik keinen Hafen mehr, nachdem bekannt geworden war, dass eine Labormitarbeiterin an Bord war, die Blutproben eines Ebola-Infizierten untersucht hatte. In Dallas schlossen Schulen, nachdem Eltern an Bord eines Flugs waren, in dem auch eine Krankenschwester reiste, die einen liberianischen Patienten behandelt hatte. Nur in Amerika? Vor Hamburg stoppte ein Regionalzug, weil sich darin ein Mann erbrach, der vorgab, in Liberia gewesen zu sein.

In dieser aufgeladenen Situation agieren Politiker jenseits und diesseits des Atlantiks scheinbar widersprüchlich. Einerseits signalisiert US-Präsident Barack Obama höchste Alarmbereitschaft und mobilisiert eine halbe Milliarde Dollar für Hilfe in Westafrika; andererseits warnt derselbe Obama vor aufkommender Hysterie daheim. Hierzulande beharrt Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe auf seinem Standpunkt, Deutschland sei besser gerüstet als fast jedes andere Land auf der Welt, die Bürger müssten sich nicht sorgen; der Infektiologe Alexander Kekulé aber warnt in einem Gutachten der Schutzkommission beim Bundesministerium des Innern vor einer möglichen Überforderung des Systems. In dem Papier wird unter anderem bemängelt, es gebe zu wenig Transportkapazitäten für Kranke und zu wenig Personal für die Isolierstationen. Was gilt denn nun, fragt sich der Bürger. Bin ich gefährdet – oder bin ich es nicht?

Es geht hier um eine schwer zu vermittelnde Diskrepanz. Sie entsteht aus den unterschiedlichen Perspektiven, der praktizierten Individualmedizin, die den Einzelnen im Blick hat, und jener der öffentlichen Gesundheitsvorsorge, die große Menschengruppen schützen möchte. Diese beiden Ziele harmonieren nicht zwangsläufig: Was die Masse schützt, muss für den Einzelnen nicht gut sein – und umgekehrt. So kann zum Beispiel eine Impfung im Einzelfall Nebenwirkungen haben und doch bei massenhafter Anwendung die Ausbreitung von Viren stoppen und auf diese Weise alle schützen.

Im Ebola-Fall sieht der Widerspruch so aus: Nach wie vor ist die Gefährdung einer Ansteckung mit dem Virus für den Einzelnen in den USA, in Spanien oder eben in Deutschland extrem gering. Das Problem ist, dass sich dies unter ungünstigen Umständen rasch ändern könnte. Sollten sich hierzulande viele Menschen anstecken und könnte man die Verbreitung des Virus nicht rechtzeitig verhindern, dann würde die Zahl der Infizierten sprunghaft (oder gar exponentiell) zunehmen – und damit auch die Gefahr für den Einzelnen. Wie sich so etwas entwickeln kann, ist in Westafrika zu beobachten. Dort sind inzwischen so viele Menschen potenziell infektiös, dass Helfer selbst außerhalb der Behandlungszentren niemanden mehr berühren. Wie man verhindert, dass es so weit kommt? Indem man alles gegen eine Verbreitung tut.