Anfang dieser Woche hat die Europäische Zentralbank damit begonnen, am Kapitalmarkt Pfandbriefe aufzukaufen. Pfandbriefe sind Schuldverschreibungen, die von Banken herausgegeben werden und diesen bei der Refinanzierung ihres Geschäfts helfen. Das Besondere an Pfandbriefen ist, dass sie der Refinanzierung von Krediten dienen, die wiederum durch Pfandrechte abgesichert sind. Während der Pfandleiher um die Ecke meist Geld gegen Uhren und Schmuck verleiht, hinterlegen die Kreditnehmer in diesem Fall bei der Bank wertvollere Dinge: Immobilien, Flugzeuge, Schiffe oder Staatsanleihen.

Mit ihren ersten Käufen setzen die Währungshüter nun ihre Pläne in die Tat um. Anfang September hatte die EZB die Welt mit der Ankündigung überrascht, zusätzlich zu ihren vielen anderen geldpolitischen Maßnahmen künftig auch Wertpapierverbriefungen und eben Pfandbriefe zu kaufen. Ihr Ziel: Europas Banken mehr Spielraum zu verschaffen, um neue Kredite an Unternehmen zu vergeben. Damit soll das Wirtschaftswachstum gefördert werden – und am Ende die Inflationsrate in Europa wieder in Richtung des Zielwertes von knapp unter zwei Prozent gehievt werden. Aktuell liegt die Inflationsrate bei gerade einmal 0,3 Prozent – einem Wert, der so niedrig ist, dass viele Beobachter bereits sinkende Preise befürchten.

Wird der Eingriff am Pfandbriefmarkt Europas Banken und Unternehmen den Schub geben, der ihnen derzeit fehlt?

Zunächst muss man wissen, was passiert, wenn die Bank, die den Pfandbrief herausgibt, einmal pleitegeht. Dann haben die Besitzer der Pfandbriefe eine Deckungsmasse, aus der ihre Ansprüche befriedigt werden können. Zudem gelten insbesondere in Deutschland strenge Vorschriften für die Herausgabe von Pfandbriefen, wie diese zu gestalten sind und welchen Ansprüchen sie genügen müssen. Pfandbriefe, international als Covered Bonds bekannt, gelten daher neben Staatsanleihen von Industriestaaten als die sichersten Wertpapiere und für Banken als besonders günstiger und grundsätzlich beliebter Weg, sich zu refinanzieren.

Weltweit gab es 2013 Pfandbriefe im Wert von insgesamt 2.598 Milliarden Euro. Deutschland ist traditionell der größte Markt (siehe Grafik), allerdings hat sich das Volumen hierzulande im Zuge der Finanzkrise fast halbiert. Die EZB hat für ihr Kaufprogramm nun einige Vorgaben gemacht: Die Pfandbriefe müssen auf Euro lauten, aus der Euro-Zone stammen und Qualitätsansprüchen genügen.

Das Volumen, das damit infrage kommt, wird auf 600 Milliarden Euro geschätzt. Das ist immer noch eine ansehnliche Summe, aber die EZB wird kaum all diese Pfandbriefe kaufen können, sondern nur einen – eher kleinen – Teil davon. Erstens muss sich überhaupt jemand finden, der verkaufen will, zweitens ist es schwierig, als neuer großer Akteur am Markt aktiv zu werden, ohne die Preise nach oben zu treiben oder private Käufer zu verdrängen. So wird die EZB vorsichtig vorgehen, und in der Tat sollen die Käufe über mindestens zwei Jahre andauern. Zudem sollen sie neue Pfandbriefe umfassen, in der Hoffnung, diesen zuletzt stark schrumpfenden Markt wiederzubeleben.

In den vergangenen Jahren hat die EZB bereits andere Programme zum Kauf von Pfandbriefen aufgelegt. Beim letzten Mal erwarb sie statt des geplanten Volumens von 40 Milliarden Euro nur Papiere für 16,5 Milliarden Euro. Insgesamt spricht vieles dafür, dass die EZB in kleinen Schritten vorgehen wird und das Volumen überschaubar bleibt. Somit scheint fraglich, ob die Maßnahme Banken in größerem Stil zur Vergabe neuer Kredite animieren wird – zumindest kurzfristig.

Etwas anders sieht es aus, wenn es ums Grundsätzliche geht. In Deutschland kritisieren Ökonomen, dass derzeit weniger das Kreditangebot der Banken, sondern mehr die schwache Kreditnachfrage der Unternehmen der Grund für die langsame Entwicklung der Wirtschaft sei. In Ländern wie Spanien oder Italien herrscht Experten zufolge hingegen eine Kreditklemme – da kann die Herausgabe neuer Pfandbriefe und die Belebung des Marktes den Banken durchaus helfen. Trotzdem dürfte auch dort gelten: Der Kauf von Pfandbriefen ist kein Allheilmittel und kann nur ein Teil des immer umfangreicher werdenden Maßnahmenpakets der EZB sein.