Alles war neu bei dieser Synode. Der Papst. Der Generalsekretär. Die Geschäftsordnung. Die Weitergabe des vorbereitenden Fragebogens an die katholische Basis. Und schließlich auch der streckenweise gereizte Ton zwischen den unterschiedlichen Lagern in den Wochen vor dem Synodenstart. Selbst Gerhard Ludwig Kardinal Müller, der Präfekt der Glaubenskongregation, dessen Mantra von der unveränderbaren Lehre der Kirche stets ein Gefühl größter Stabilität vermittelt, ließ kurz vor der Eröffnung erkennen, dass er mit zwei stürmischen Wochen im Vatikan rechnete.

Mit jedem Tag der Versammlung wurde deutlicher: Die freie Debatte, die schon Benedikt XVI. anstelle der sterilen Abfolge verlesener Stellungnahmen gewünscht hatte, kam endlich in Gang. Dazu trug auch die Bitte des Papstes bei, man solle nichts sagen, um ihm zu gefallen. Auch die Tatsache, dass zu Beginn jeder Sitzung erst eine Bibellesung und dann ein Referat von Laien stand, veränderte das Klima.

Doch die wirklich spannende Wende ergab sich nicht durch die neue Geschäftsordnung. Auch nicht durch die Lockerheit eines Papstes, der Schokokekse verteilte. Sie bestand vielmehr in einem lautlos eingefädelten und offenbar gut vorbereiteten Kurswechsel. Drei Schlüsselbegriffe wurden eingeführt, die alles änderten: neue Sprache, seelsorgerische Begleitung und schrittweise Annäherung. Bei allen drei Begriffen geht es um den positiven Umgang mit dem "Anderen". Es ist ein Ansatz, der tief im jesuitischen Denken verwurzelt ist.

Historisch weithin bekannt ist der Versuch der Jesuitenmissionare im 17. und 18. Jahrhundert, die Menschen in China und Indien dadurch für die Kirche zu gewinnen, dass sie ihre Riten und Gebräuche duldeten und teilweise sogar adaptierten – anstatt sie als "heidnisch" und "götzendienerisch" abzukanzeln. Nach einem ähnlichen Schema soll nun das Vorgehen der Kirche in der Kultur der Postmoderne unter dem ersten Jesuitenpapst funktionieren: Anstatt etwa homosexuelle Partnerschaften als sündhaft oder naturrechtswidrig zu verurteilen, wird gefragt, ob nicht auch in ihnen (zumindest ansatzweise) Gutes verwirklicht wird. Das heißt nicht, sie mit der sakramentalen Ehe von Mann und Frau gleichzustellen – denn das würde die Lehre der Kirche im Kern berühren. Aber es bedeutet, das Positive in ihnen zu benennen.

Der Papst ist Jesuit. Und dies ist eine jesuitische Wende. Er öffnet die Tür zur seelsorgerischen Begleitung der Menschen – trotz ihrer "irregulären" Situation. Anstatt bei Geschiedenen, die eine zweite Zivilehe eingegangen sind, von einer "Situation des fortgesetzten Ehebruchs" zu sprechen, schaut man erst auf das Gute in den neuen Beziehungen und auf die oft leidvollen Erfahrungen der Betroffenen. Man sucht Wege, wie die neue Partnerschaft schrittweise ins kirchliche Leben eingebunden werden kann – freilich ohne eine zweite Ehe im Vollsinn zu erlauben, weil auch dies den Kern der Lehre berühren würde.

Wer die neuen Begriffe einführte und ob dies in einer konzertierten Aktion geschah, werden einst Kirchenhistoriker herausfinden. Die Wirkung war jedenfalls frappierend: Eine anfangs sehr klare Gefechtsordnung – Bewahrer gegen Reformer – wurde aufgeweicht. Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn trug das Konzept der "Gradualität" in die Synode. Einer der lautstärksten Befürworter aber war in Rom der deutsche Kardinal Reinhard Marx. Nicht ganz zufällig gibt es in seinem Denken, vermittelt über die französische nouvelle théologie, starke Einflüsse der neueren jesuitischen Denktradition. Die große Linie aber entwarf einer der wenigen Männer, der nicht als Bischof, sondern als Ordensoberer an der Synode teilnahm: der spanische Jesuitengeneral Adolfo Nicolás.

In einem Interview mit der Tageszeitung Corriere della Sera gab er tiefe Einblicke in das jesuitische Programm der Synode: "Es geht nicht darum, etwas neu zu definieren, sondern eine andere Sprache und eine andere Erfahrung zu finden." Ignatius lehre, Gott in allen Dingen zu suchen. "Man muss das Gute fördern, das in allen Dingen liegt." Der Jesuitengeneral erinnerte auch daran, dass der Ordensgründer Ignatius von Loyola wegen kühner Neuerungen achtmal von der heiligen Inquisition verhört wurde. Jetzt, da ein Jesuit Papst ist, besteht die Gefahr nicht mehr.

Der Autor ist Chefredakteur der Katholischen Nachrichten-Agentur KNA