Wenig blockiert mehr als die Angst, zu versagen. Uncool ist sie allemal, gerade in Zeiten, in denen einem ständig das Gefühl gegeben wird, auf allen Ebenen von Menschen umgeben zu sein, die neuerdings als Checker bezeichnet werden. Wer sich nur mit Weinen auskennt, die weniger als fünf Euro das Glas kosten, wer noch nie einen Marathon gelaufen ist, bei der letzten Beförderungsrunde mal wieder übersehen wurde und seit einem halben Jahr ausschließlich billige Thriller gelesen hat, wird den Teufel tun, auch nur über eines dieser peinlichen Defizite ehrlich Auskunft zu geben.

Dann könnten wir ja gleich über Geld reden. "Geld allein macht nicht glücklich", soll etwa Marcel Reich-Ranicki gesagt haben, "aber es ist besser, in einem Taxi zu weinen als in der Straßenbahn." Geld also, das nicht nur die Existenz sichert, sondern sich meist eins zu eins in gesellschaftlichen Status übersetzen lässt. Über Geld redet deswegen allenfalls der, für den Geld ein Thema ist. Was an sich schon uncool ist.

Die Wahrheit ist: In Gelddingen sind wir alle Versager. Seitdem wir die Existenzvorsorge nicht mehr allein in die Hände unserer Arbeitgeber und der gesetzlich dafür vorgesehenen Stellen legen können, kennt sich da keiner mehr aus. Und seitdem die Nachwehen der Finanzkrise uns jede halbwegs sichere Anlagestrategie zunichte gemacht haben, müsste selbst der Letzte begriffen haben, dass er die ganze Chose nicht mehr im Griff hat.

Sollten Sie tatsächlich darüber nachdenken, sich öffentlich in Ihrer Unkenntnis und Unsicherheit bloßzustellen, möchten wir Ihnen die fünf Charaktere vorstellen, von denen Sie sich unterscheiden sollten. Sollten Sie sich darin wieder erkennen, müssen Sie erst dann wieder über Geld reden, wenn es auch wirklich alle ist.

1. Der Entspannte

Diese Strategie eignet sich am besten für Einsteiger in eher komfortablen finanziellen Verhältnissen. Das monatliche Gehalt ist mehr als okay, für den Urlaub liegt genug auf dem Tagesgeldkonto, und auch zum Zwecke der gehobenen Alltagszerstreuung – Bioladen, Spa, Innenarchitektur – ist eigentlich immer genug übrig. Begeht ein Bekannter den Fauxpas, über Sparpläne oder – noch schlimmer – finanzielle Einschränkungen reden zu wollen, hebt der Entspannte mitfühlend bis peinlich berührt die Augenbraue. Immerhin ist er nur einmal 34, und später ist noch lange hin. Taktlose Einwände – die sich jetzt ohnehin keiner mehr trauen wird – ließen sich im Zweifel mit verschärfter Lebenskünstler-Attitüde kontern: "Was kümmert mich meine Rente? Ich genieße das Heute." Flugs ist jede noch mögliche Kritik als spießig entlarvt. Ach ja, wenn alles schieflaufen sollte, waren da ja immer noch die Eltern, die bestimmt etwas auf die Seite gepackt haben dürften. Dazu sind sie ja praktisch verpflichtet, immerhin sind sie die Einzigen, die regelmäßig auf dem Thema herumreiten müssen.

2. Der Drückeberger

Mit dieser Haltung lebt es sich weniger elegant, aber auch weniger kontrovers. Dieser Typus ist – so gaukelt er sich und den seinen vor – nur noch nicht dazu gekommen, sich mal mit seinen Finanzangelegenheiten auseinanderzusetzen. Das funktioniert sich selbst gegenüber meist besser als die "Langfristig bin ich tot"-Strategie. Drückeberger führen eine To-do-Liste, auf die sie regelmäßig "Finanzen überprüfen" schreiben, ohne Deadline natürlich. Sie haben es also auf dem Schirm, sind erwachsen genug, um es nicht für unter ihrer Würde zu halten, und wären sehr wohl in der Lage, das Ganze mal gründlich anzugehen. Aber genau das würde Zeit fressen, und dann ist da diese Präsentation, die nächste Woche fertig sein muss, und außerdem gilt es, den Herbsturlaub zu organisieren, und – ach Gott – Weihnachten steht vor der Tür!