Obwohl die neue Gentechnik keines der befürchteten biologischen Risiken mehr birgt – die Pflanzen tragen weder Fremd- noch Resistenzgene in sich –, wollen die Genkritiker sie als GMO (genetically modified organism) reguliert sehen und ihren Anbau verhindern. Die strittige Frage lautet: Zählt Herkunft oder Ergebnis? Ist eine Sorte eine Genpflanze, nur weil sie aus einem Labor stammt? Muss sie folglich so reguliert werden – auch wenn sie mit denselben Eigenschaften von einem konventionellen Züchtungsbetrieb stammen könnte? Reichen dann nicht die Zulassungsregeln für konventionelle Saaten?

Wie sähe die neue Gentechnik bei unseren Nutztieren aus? Wenn nämlich künstlich wenige Genbausteine einer Rinderrasse ausgetauscht werden, was alltäglich in der freien Natur passiert: Liefert das Rind dann in den Augen der Verbraucher Frankenfood?

Auch die Rolle der Kritiker wirft Fragen auf. Was genau treibt ihren Widerstand gegen die neue Gentechnik an? Geht es ihnen noch um die Sache oder nur noch ums Prinzip?

Weil in der Medizin um diese Fragen nicht so grundsätzlich gestritten wird wie in der Pflanzenzüchtung, hat in Therapie und Forschung der Umbruch bereits begonnen. Die Zeiten, in denen die Gentherapie durch Zwischenfälle, schwere Nebenwirkungen und sogar durch Tote von sich reden machte, sind wohl vorbei. Bislang mussten Gentherapeuten heilsame Gene blind in die Zellen ihrer Patienten schleusen: ohne Kontrolle darüber zu haben, ob, wo und wie häufig sich die Erbinformation dort einnistete. Als Folge dieser Schrotschuss-Therapien erkrankten etliche Kinder an Blutkrebs. Jetzt wollen Mediziner genetische Defekte ihrer Patienten durch Genome-Engineering beseitigen – sie heilen das Gen gleichsam, statt es zu ersetzen. Heilung ohne Risiko – das ist die große Hoffnung.

In Griffweite der Technik sind aber nicht nur die Körperzellen. Auch der Embryo könnte von genetischen Defekten befreit werden, um schwere Erkrankungen schon vor der Geburt zu heilen. Gerade erst demonstrierten Forscher die erstaunlichen Möglichkeiten des Genome-Engineerings, indem sie Mäuseembryonen mit erblicher Muskelschwäche therapierten. Denkbar wird jetzt sogar eine Fortpflanzungsmedizin, in der die Präimplantationsdiagnostik nicht mehr angewandt wird, um kranke Embryonen auszusortieren, sondern um sie zu kurieren.

Ein Durchbruch wie dieser birgt immer Segen und Gefahr zugleich. Klar ist: Wir können nun defekte Gene präzise reparieren. Wir können gesündere Pflanzen züchten. Wir können aber auch neue Lebensformen schaffen. Wir tragen jetzt eine große Verantwortung.