Bücher dort zu lesen, wo sie spielen, verleiht der Lektüre einen besonderen Kick. Moby Dick habe ich auf Nantucket gelesen, Into the Wild am Fuße des Denali in Alaska und Das Herz der Finsternis, in Ermangelung des Kongo, an den Ufern der Saale – mehr Afrika ist nirgends als in Sachsen-Urwald. Nichts hätte mich überrascht: kein weißer Wal vor Neuengland, nicht mein Verhungern in der Wildnis, nicht der blanke Horror von Halle.

In diesen Tagen bin ich in der Türkei unterwegs und lese nun, nur einen Raketenwurf von der syrischen Grenze entfernt, Islamischer Staat – IS-Miliz, al-Qaida und die deutschen Brigaden . Nach 35 Seiten weiß ich Folgendes: Hamid darf man nicht mit Hadid verwechseln und Hama nicht mit Hawwa. Aus den Kata’ib Muhammad sind die Tanzim al-Tali’a al Mugatila li-l-lkhwan al-Muslimin hervorgegangen und aus der "Gruppe Hadid" die al-Tali’a al Mugatila li-Hizb Allah. Abu Ratib, Abu Dujana und Abu Mazin sind syrische Dichter der siebziger Jahre, die ich nur deshalb nicht kenne, weil ich damals nicht in Aleppo war. Und: Der Islamwissenschaftler Behnam T. Said kennt als Hamburger Verfassungsschützer zu viele Details, um als Autor zu fesseln. Macht aber nichts. Schließlich ahne ich bereits, wie "Islamischer Staat" endet. Nicht anders als Moby Dick .