DIE ZEIT: Herr Wolkau, "Ärger auf der Arbeit oder mit Hartz IV, kommen Sie zu mir!" Dieser Reim schmückt Ihre Website. Nicht gerade eine klassisch liberale Parole.

Kay Wolkau: Das steht ja auch auf der Website meiner Rechtsanwaltskanzlei, nicht auf meiner politischen Seite.

ZEIT: Aber auch dort schreiben Sie noch "wir Grüne" oder "bei uns Grünen". Dabei sind Sie seit letzter Woche Mitglied der Neuen Liberalen. Wie kam’s?

Wolkau: Ich war immer sozialliberal eingestellt. Als Student war ich Vorsitzender der Julis in Marburg. Aber wenn die FDP Freiheit sagt, meint sie Freiheit für die Privilegierten. Die Neue Liberale will Freiheit für alle. Wir stehen für eine emanzipatorische Sozialpolitik: dafür, dem Bürger mehr zu vertrauen. Wir sehen Hartz IV sehr kritisch. Wir sind für konsequente Bürgerbeteiligung, Chancengleichheit, soziale Gerechtigkeit.

ZEIT: Wie Ihre alte Partei, die Grünen ...

Wolkau: Ich fühlte mich bei den Grünen nicht mehr richtig zu Hause. Mit dem neuen sozialliberalen Angebot schließt sich für mich ein Kreis.

ZEIT: Sie sollen bei den Grünen vielfach angeeckt sein. Unter anderem, heißt es, sie hätten die Partei verlassen, weil Ihnen die Regeln zur Frauenförderung dort zu weit gingen.

Wolkau: Es gab Dissenz in verschiedenen Fragen. Auch zur Meinungsfreiheit. Und zu Transparenz und Umgangsformen.

ZEIT: Nun streiten Sie darüber, dass Sie Ihr Mandat in der Bezirksversammlung behalten wollen, das Sie als Grüner errungen haben.

Wolkau: Ich kann meine kommunalpolitischen Ziele in der neuen Partei weiter umsetzen, wenn nicht sogar besser. Die Atmosphäre bei den Harburger Grünen war nicht gerade schön. Was in den Grundsätzen der Partei steht, spiegelt sich nicht immer im Verhalten wider.

ZEIT: Die Gründerin Ihrer neuen Partei, Sylvia Canel, ist zu ihrer Zeit bei der FDP auch nicht gerade als konfliktscheu aufgefallen.

Wolkau: Ich habe Frau Canel als freundlich und umgänglich kennengelernt. Das ist wohltuend.

ZEIT: Sie sind nun Landesprogrammatikleiter der Neuen Liberalen. Was macht man da?

Wolkau: Wir wollen bis zum 1. November ein vorläufiges Bürgerschafts-Wahlprogramm in aller Kürze und Würze präsentieren. Dabei habe ich die organisatorische Aufsicht. Als Jurist kenne ich mich ja gut mit Textarbeit aus.