Verwundern kann sie einen schon, die neue Lust am Fleisch. Ständig eröffnen Steakhäuser und Burgerbars. Dabei geht der Trend bei den besten europäischen Köchen in die andere Richtung. Doch von den Fortschritten in der Gemüseküche schmeckt man in den meisten vegetarischen Restaurants der Stadt wenig. Viele werden quasi als Vereinsheime geführt. Typisches Zeichen: die ungelenke Weltküche. Ein bisschen indisch, französisch, thailändisch – alles auf einer Karte. Wer so etwas als Fleischkoch versuchte, erntete nur Spott.

Eine rühmliche Ausnahme macht das vor fünf Jahren eröffnete La Monella am Rothenbaum. Ein bisschen Italien weht einem schon durch die Tür des freundlichen Souterrainlokals entgegen – die Pregos und Finitos der Kellner, das Zischen der Espressomaschine. "Kochen ist Liebe", steht auf einer Lampe am Eingang. Die Weinkarte schwadroniert von "kompromissloser Liebe zur Erde und deren Früchten". Aber die verzeichneten Weine schmecken Welten besser als die aus dem Reformhaus.

Den Speisen merkt man die süditalienische Herkunft der Besitzer an: viel mediterranes Gemüse, angereichert mit Käse. Mit Antipasti zu beginnen bietet sich an. Und tatsächlich kommt nicht das öltriefende Durcheinander, mit dem viele Italiener ihre Gewinnspanne vergrößern, sondern eine fantasievolle Mischung teils warmer Minigerichte, von ausdrucksvollen Zucchini-streifen mit Curry bis zu opulenten Auberginen mit Gorgonzola und Trockentomaten.

Das ist schon mal ein gutes Zeichen, denn auf die Mischung kommt es gerade in der vegetarischen Küche an. Ihren Tellern fehlt ja meist das teure Angeberprodukt, um das sich die anderen scharen. Die Kunst des Kochs liegt darin, eine Balance herzustellen. Das gelingt bei den schlichten Bruschetta: das richtige hausgebackene Brot, behutsam angeröstet. Die richtige Menge Olivenöl auf den Würfeln herzhafter italienischer Fleischtomaten. Besser geht so etwas nicht.

Auch die Auberginenroulade mit Kartoffel-Kapern-Füllung könnte gefallen, wäre sie nicht mit Gewalt zum Hauptgang aufgemotzt worden. Weder die süßliche Tomatensoße noch das darübergegossene Öl tragen etwas zu ihrem Geschmack bei. Und was sollen die weißen Bohnen auf dem Extrateller? Der bis dahin fast zu flinke Kellner bleibt stehen und denkt nach: "Sonst machen wir grüne Bohnen dazu. Die sind aber gerade aus." Warum kommt man sich kleinlich vor, wenn man solche Details vermerkt? Vielleicht weil man als Fleischesser in seinem Revier so viele Fragen nicht stellt.

Das La Monella ist kein Lokal, das starke Meinungen provoziert. Man hätte dasselbe gerne auf Französisch oder Chinesisch. Und am allerliebsten auf noch höherem Niveau. Das Dessert bringt es auf den Punkt – oder eben gerade nicht. Einerseits ist es eine spannende Idee, Feigen angebraten und mit einer Soße von grünem Pfeffer zu servieren. Andererseits verwischt das Ingwereis dazu alle Nuancen und hinterlässt dann doch jenen kreativ-chaotischen Weltküchengeschmack. Kochen ist Liebe, schön gesagt. Aber ein bisschen Pedanterie nun mal auch.

La Monella, Hallerplatz 12, Rotherbaum. Tel. 45 61 62. Geöffnet montags bis freitags von 12 bis 15 und von 18 bis 23 Uhr, samstags nur am Abend. Hauptgerichte um 8 € mittags und um 15 € abends