Das Private ist ein geschützter Bereich, den niemand betreten darf. Ausnahmen gelten für Lebenspartner, Familienmitglieder, Freunde, Google und die NSA, sonst aber wirklich für niemanden. Wegen seiner Eigenart, Grenzen zwischen uns und der restlichen Welt zu ziehen, ist uns das Private sympathisch. Es ist uns jedenfalls viel sympathischer als alles Öffentliche. Öffentliche Toiletten etwa oder gar der öffentliche Dienst.

In diesem Spannungsfeld bewegen sich erstaunlich viele Unternehmen, die den Nimbus des Privaten nutzen. Der Kaffeeröster Tchibo bietet Privat Kaffee an, der besonders vollmundig, komplex und so weiter sein soll. Interessanterweise verkauft Tchibo diesen Kaffee öffentlich, also an jedermann, was eine Frage aufwirft: Was soll an Kaffee privat sein?

Manchmal sind Unternehmen sogar selbst privat, wie Leser Joachim R. bemerkte. Jedenfalls betonen sie das ständig: Privatbrauereien wie Licher, Privatmolkereien wie Bauer und Privatkäsereien wie Bergader. Alle privat. Firmen lobpreisen ihr Privatsein, als sei allein das ein Qualitätsmerkmal oder als wäre Deutschland bis vor Kurzem noch eine Staatswirtschaft gewesen. Von einer Bundeskäserei habe ich zwar bislang nie gehört. Aber vielleicht käst ja irgendwo noch eine versehentlich nicht privatisierte Restabteilung der guten alten Deutschen Bundespost vor sich hin. Wer weiß.

Wahrscheinlich liegt die Erklärung aber auch bloß darin, dass die überschaubare Welt des Privaten weit freundlicher zu sein scheint als die große Welt da draußen. Es ist die Welt netter Mittelständler, Familien- und Kleinunternehmen. Wobei schnell übersehen wird, dass auch Privatunternehmen ziemlich groß und unfreundlich werden können.