Nahezu alle Kinder in Schweden besuchen eine Schule, die sie zu einer Studienberechtigung führt. Dazu gibt es zwei unterschiedliche Ausbildungszweige, die sie wählen können, entweder den praktischen oder den theoretischen Zweig. Auch die Schüler aus dem praktischen Zweig können sich später noch für ein Studium entscheiden.

Und das tun viele: Vier von zehn Schülern eines Jahrgangs beginnen ein Hochschulstudium. Viele Berufe, die in Deutschland Ausbildungsberufe sind, wie Krankenschwester oder Physiotherapeut, werden in Schweden an der Hochschule gelehrt. Das Land hat folglich eine hohe Akademikerquote von 24 Prozent.

Dass so viele Schüler sich für ein Studium entscheiden, mag aber auch daran liegen, dass der schwedische Staat Studierende besonders großzügig unterstützt: Das Land zahlt jedem Studenten eine finanzielle Beihilfe, vollkommen unabhängig davon, wie viel die Eltern verdienen. Umgerechnet etwa 300 Euro monatlich bekommt jeder Studierende vom Staat, das Geld muss man nicht zurückzahlen. Darüber hinaus können Studenten zinsfreie Kredite beantragen, mit denen sie ihren Lebensunterhalt bestreiten können. In Schweden ist vorherrschende Meinung, dass das Studium einem Vollzeitjob gleiche und niemand gezwungen sein sollte, nebenher zu arbeiten.

Die akademische Bildung der Bevölkerung hat in Schweden Tradition: "Dem Land mangelt es an Industrie, daher legt man den Fokus vor allem auf die gute Ausbildung der Menschen", erklärt der deutsche Erziehungswissenschaftler Tobias Werler, der an der Hochschule Bergen zu skandinavischen Bildungssystemen forscht. Auf den ersten Blick scheint diese Strategie aufzugehen. Die Schweden gehören zu den reichsten Europäern, das Land hat eine hohe Wirtschaftsleistung. Doch es gibt einen Schönheitsfehler: Die Jugendarbeitslosigkeit ist eine der höchsten in Europa. Sie liegt mittlerweile bei 22 Prozent – noch höher ist sie nur in Spanien und Griechenland.

In Schweden sind aber vor allem diejenigen Jugendlichen ohne Job, die nicht studiert haben. Arbeitgeber wollen sie nicht einstellen, sie bemängeln, dass die Bewerber nicht ausreichend auf das Arbeitsleben vorbereitet seien. Die praktischen Programme, die die Schulen anböten, seien viel zu theoretisch. Kritiker sagen, man habe sich zu sehr auf die akademische Ausbildung der Bevölkerung konzentriert und dabei die berufliche Ausbildung vernachlässigt. Eine duale Ausbildung wie in Deutschland kennt man in Schweden nicht. Die OECD empfiehlt dem Land darum, ein duales Ausbildungssystem einzuführen, als Ergänzung zur schulbasierten Berufsbildung. Bis es so weit ist, ziehen die jungen Leute einen anderen Schluss aus den Arbeitslosenzahlen: Immer mehr wollen studieren.