Die Vertretung der Syrischen Nationalen Koalition in Deutschland wirft der syrischen Botschaft in Berlin die systematische Diskriminierung syrischer Staatsbürger, Amtsmissbrauch und Korruption vor. Für Passverlängerungen etwa seien in Einzelfällen widerrechtlich bis zu 10.000 US-Dollar kassiert worden, heißt es in einem Bericht der Koalition, welcher der ZEIT vorliegt. Die Mitarbeiter würden konsularische Dienstleistungen in vielen Fällen absichtlich verzögern oder verweigern und Falschinformationen herausgeben. Auch bei De-facto-Enteignungen in Syrien spielt die offizielle syrische Vertretung in Deutschland der Koalition zufolge eine Rolle. So seien Fälle bekannt, in denen Syrer in Deutschland Vollmachten beantragt hätten, damit ihre Verwandten in Syrien Teile ihres Eigentums verkaufen konnten. Nachdem die Vollmachten ausgestellt worden waren, hätten jedoch Regime-Angehörige in Syrien dieses Eigentum an sich genommen, so etwa Autos oder eine Wohnung.

Für den Bericht hat die Koalition Hunderte Syrer in Deutschland telefonisch befragt. Die Koalition vermutet hinter den ihr berichteten Schikanen, dass die syrische Regierung mutmaßlich der Opposition zuneigende Syrer einschüchtern wolle. So seien vor allem sunnitische Syrer oder solche aus Rebellenhochburgen betroffen. "Das Regime verstößt gegen internationales Recht", sagt Bassam Abdullah, Botschafter der Koalition in Deutschland. "Es kann nicht länger die Vertretung syrischer Bürger für sich in Anspruch nehmen."

Die Syrische Nationale Koalition ist ein 2012 gegründetes Oppositionsbündnis. Über 100 Staaten, darunter Deutschland, erkennen sie als legitime Vertretung des syrischen Volkes an. Der Bericht soll anlässlich der am 28. Oktober in Berlin stattfindenden internationalen Konferenz zur syrischen Flüchtlingskrise dem Auswärtigen Amt übergeben werden.