DIE ZEIT: Herr Flæten, vor Kurzem haben Sie den Bürgern Ihrer Stadt Lillestrøm zwölf Euro gezahlt, wenn sie aufs Auto verzichtet haben und mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs waren. Warum?

Ole Jacob Flæten: Ganz einfach: Der Autoverzicht lohnt sich für die Gesellschaft. Es ist gut für unsere Gesundheit, für die Umwelt und fürs Verkehrswesen.

ZEIT: Wie haben die Passanten reagiert?

Flæten: Die meisten haben sich darüber gefreut. Das ist ja wie eine umgedrehte Maut. Einige wollten das Geld jedoch Hilfsbedürftigen spenden.

ZEIT: Andere Städte investieren in Parkhäuser und Parkplätze, verbreitern die Straßen, damit der Verkehr besser fließt. Wie ist das in Lillestrøm?

Flæten: In Lillestrøm tun wir alles für Fußgänger und Fahrradfahrer. Unser Ziel ist es, dass im Innenstadtbereich keine Autos mehr an der Oberfläche parken. Lillestrøm selbst hat ein sehr gut ausgebautes Netz an Fahrradwegen und Gehwegen. Dieses Netz wollen wir weiter ausbauen.

ZEIT: Wann haben Sie gemerkt, dass es wichtig ist, dass mehr Menschen umsteigen?

Flæten: Anfang des vergangenen Jahrzehnts fuhren immer weniger Leute Fahrrad, die Innenstadt verstopfte wegen der vielen Autos. Wir wollten diese Entwicklung stoppen. Neue Fahrradwege wurden gebaut und neue Gehsteige. Wir wollen Zu-Fuß-Gehen und Fahrradfahren wieder zu natürlichen Fortbewegungsarten machen. Beispielsweise lassen wir keine Shoppingmalls außerhalb der Stadt errichten, denn dann müssten viele aufs Auto zurückgreifen, um dorthin zu kommen.

ZEIT: Meinen Sie, dass man Menschen dafür bezahlen muss, ihre Gewohnheiten zu ändern?

Flæten: Gewohnheiten zu ändern ist schwierig. Die öffentliche Hand kann mithelfen, ökonomisch und mittels Regularien. Die größte Herausforderung für uns ist jedoch, in Infrastruktur zu investieren. Zu-Fuß-Gehen und Fahrradfahren müssen wieder so attraktiv werden, dass man gar nicht mehr darüber nachdenkt, ins Auto zu steigen.

ZEIT: Londons Bürgermeister, Boris Johnson, nimmt angeblich immer das Fahrrad. Wie ist das bei Ihnen?

Flæten: So gut wie Boris Johnson bin ich nicht, aber wenn ich dienstlich unterwegs bin, nehme ich unser Wasserstoffauto oder eines unserer Elektrofahrräder.