In letzter Zeit häufen sich bei mir die Déjà-entendus: "Städte gibt es so viele wie früher nicht Hütten. Das schlagendste Zeugnis für das Überhandnehmen des Menschen aber ist dies: Wir sind der Welt zur Last. Kaum reichen die vier Elemente für uns noch aus, die Verhältnisse werden enger, und allenthalben gibt es Klagen, während doch umgekehrt die Natur uns, die Menschen, bereits nicht mehr erträgt." Zu viele Menschen, die zu viel Natur kaputt machen: Das klingt irgendwie vertraut, nicht? Richtig: Könnte von Ecopop sein. Ist es aber nicht. Geschrieben hat das der christliche Theologe Tertullian – im frühen 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung.

Auch das folgende Zitat ist nicht von Ecopop: "Wer ein schon stark besetztes kleines Rettungsboot mit beschränktem Fassungsvermögen und ebenso beschränkten Vorräten zu kommandieren hat, indessen Tausende von Opfern einer Schiffskatastrophe nach Rettung schreien, muss hart scheinen, wenn er nicht alle aufnehmen kann. Und doch ist er noch menschlich, wenn er beizeiten vor falschen Hoffnungen warnt und wenigstens die schon Aufgenommenen zu retten sucht." Heute würde dieser Bundesrat aus dem Jahre 1942 wohl sagen: Das Umwelt-Boot ist voll. Und erneut mit seiner besonderen Menschlichkeit werben.

Auch der Verein Ecopop distanziert sich in Worten ausdrücklich von menschen- und fremdenfeindlichen Positionen. Mit einer ganz eigenen, doppelten Logik: Die Fremden sind erstens schon gut, solange sie zweitens nicht zu uns kommen. Aber drittens ist für die Umwelt der beste Fremde der gar nicht erst geborene Fremde. Also sollen zehn Budgetprozente der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit in die freiwillige Familienplanung im Ausland fließen. Hingegen verliert die Initiative kein Wort über die freiwillige Familienplanung in der Schweiz mit ihrem jährlichen Geburtenüberschuss von etwa 17 000 Menschen. Das Ecopop-Motto lautet: Babys von hier sind gute Babys, Babys von sonst wo nicht. Ich finde ein solches Weltbild schlimm. Daran ändern auch die gut gemeinten Ziele wie die Umweltschonung nichts.

Für mich ist Ecopop denn auch eine der krassesten Initiativen, die ich je gesehen habe. Sie beruht auf der simplen Annahme, weniger Menschen schadeten der Umwelt auch weniger.

Gerade in der Schweiz wissen wir, dass das Unsinn ist. Wir sehen das in der Landwirtschaft: Das heftig bejammerte Bauernhofsterben hätte nach dieser Annahme ganz von sich aus zu besseren Umweltbedingungen in der Landwirtschaft führen müssen. Das Gegenteil ist der Fall: Die Umweltziele beim Stickstoff, beim Ammoniak und beim Phosphor wurden allesamt verfehlt. Oder wer weniger Zersiedelung in den Agglomerationen will, der muss einfach die Bauzonen reduzieren. Doch dann müsste man sich mit dem Gewerbe in der Gemeinde anlegen oder gar selbst auf ein Hüsli im Grünen verzichten. Da ist es einfacher, auf die Ausländer zu zielen.

Übrigens: Der ökologische Fußabdruck in der Schweiz ist fast fünfmal zu hoch. Natürlich ist das nicht okay. Aber wollte man das über die Einwohnerzahl korrigieren, müsste man die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz um vier Fünftel reduzieren, auf 1,6 Millionen Personen. Bereist im Jahr 1900 wohnten doppelt so viele Menschen in der Schweiz. Das zeigt, wie monströs solche Gedankenspiele sind.

Ein Letztes: Die Ecopopisten zielen nur auf die ständige Wohnbevölkerung. Bei Grenzgängern und Personen mit einem Aufenthalt von weniger als zwölf Monaten sind die Initianten blind wie Maulwürfe. Bei einer Annahme der Initiative würden Hunderttausende Saisonniers in der Schweiz arbeiten oder über die Grenze pendeln. Wir lebten in einer Zweiklassengesellschaft: hier die ständige Wohnbevölkerung, dort die Gastarbeiter auf Abruf.

Das ist nicht nur schädlich für die Umwelt. Es ist vor allem: menschenverachtend.