Im Grunde muss jeder gute Architekt einmal dort gewesen sein, am Cap Martin an der französischen Riviera, wo sich der große Le Corbusier zur Abwechslung in der Kunst der Bescheidenheit übte. Hoch am Hang, unter einem mächtigen Feigenbaum, hatte er sich 1952 sein cabanon errichtet, eine karge, enge Holzhütte mit kleinen Fenstern. Hierhin zog er sich in den Sommern zurück, er suchte das einfache, nackte Leben. Unterdessen sind viele Architekten seinem Beispiel gefolgt und haben die Wälder, die Ufer der Seen, die Bergeshöhn mit Ferienhäusern besiedelt, manche für sich selbst errichtet, viele für stadtgeplagte Bauherren. Und nicht selten schien es, als könnte sich nur hier, in der freien Natur, auch die Baukunst wirklich frei entfalten.

Ein mächtiger Bildband versammelt nun etliche dieser Rückzugshäuser, und es zeigt sich, dass so ziemlich überall auf der Welt, in Australien, den USA, in Asien und Europa, ein großer Drang nach draußen die Menschen zu bestimmen scheint. Die Architekten geben dieser kleinen Flucht die erstaunlichsten Formen. Manchmal sind es Hightech-Scheunen. Ein anderes Mal tonnenförmige Konstruktionen für den modernen Diogenes. Sogar Baumhäuser sind dabei. Fast immer aber, und das macht dieses Buch dann doch zu einer seltsamen Angelegenheit, streben diese Häuser nach gestalterischer Perfektion. So als dürfte sich das Leben auf dem Land nicht unterscheiden vom Leben in der Stadt, als müsste es unbedingt loftig sein, stylish, möglichst formvollendet.

Damit glorifiziert dieser Band in gewisser Weise das Prinzip Wohnmobil. Dort reist das Gewohnte immer mit, man ist wunderbar beschützt vor allen Zumutungen der Fremde – ganz so, wie man in den teuren Designerklausen die Natur durch große Panoramafenster besichtigt und sich ihr zugleich entzieht. Man pflegt den alten romantischen Mythos der Ursprünglichkeit und verrät ihn zugleich. Dieser prachtvoll ausgestattete Band tut nichts anderes, als diesen Verrat zu feiern – schön und schrecklich zugleich.