Seifenblasen sind ein Sinnbild vergänglicher Schönheit. Man kann sie bewundern, sich an ihnen erfreuen – aber ihr Leben ist kurz, und sobald man die Hand ausstreckt und sie berührt, zerplatzen sie. Der Wunsch, dieses Naturschauspiel einzufrieren, erinnert an das Sehnsuchtsmotiv in Goethes Faust, den schönen Augenblick verweilen zu lassen.

Und so liegt zunächst auch der Verdacht nahe, dass bei dem aktuellen Werbespot für einen hochauflösenden Fernseher, den auch die Fragestellerin dieser Woche gesehen hat, tief in die elektronische Trickkiste gegriffen wurde. In dem Clip sieht man, wie sich in der klaren Seifenhülle kleine Eiskristalle bilden, die sich mit fein verästelten Mustern langsam über die ganze Seifenkugel ausbreiten und schließlich die ganze Blase zu einer Kristallkugel werden lassen, die sich mit der Hand einfangen lässt. Und wenn man sie zerstört, zerplatzt sie nicht in winzige Tröpfchen, sondern zerbricht in filigrane Flocken, die langsam zur Erde schweben.

Aber der Film, der im kanadischen Whistler gedreht wurde, ist tatsächlich echt. Wenn es draußen kalt genug ist, dann kann die dünne Wasserhaut zu Eis gefrieren, bevor die Seifenblase zu Boden gesunken ist. Der Prozess geht von kleinen Unregelmäßigkeiten aus, sogenannten Kristallisationskeimen, und breitet sich von dort über die ganze Kugeloberfläche aus. In den feinen Strukturen dieser Eiskristalle bricht sich das Licht in mannigfaltigen Farben.

Für weitere Artikel zur Serie "Stimmt's?" klicken Sie auf dieses Bild. © Jeff J. Mitchell/​Getty Images

In der freien Natur kann Wind diese zarten Objekte schnell zerstören – deshalb gingen die Filmemacher für die Nahaufnahmen in ein Kühlhaus, in dem es konstant minus 25 Grad kalt war. Aber das war auch schon der einzige Trick.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de. Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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