Kinder brauchen keine Spielsachen. Sie brauchen Sachen zum Spielen: Töpfe und Schwingbesen, Scheren und Papier und Leergut, das sich in Schiffsrümpfe, Panzer und Backstuben verwandeln lässt. Genauso brauchen sie keine Spielplätze. Sondern Plätze zum Spielen. Es sei denn, diese gibt es nicht. Oder nicht mehr. So wie in der städtisch werdenden Schweiz der Nachkriegsjahre, als es mit dem Bau- und Babyboom plötzlich überall Kinder gab – aber immer weniger Raum zum Spielen. Auf den Straßen hatten nicht mehr "Räuber und Poli" das Sagen, sondern die Kleinwagen, die sich fast jeder leisten konnte. Und überall lauerten Gefahren, vom Schund in Film und Comic über die "Töffli-Buebe" bis hin zu den herumlungernden Halbstarken.

Mit den Tunichtguten beginnt in den 1950er Jahren die Geschichte der Spielplätze als einem Ort, der nach Architektur und Ästhetik ruft. Die Ausstellung Architektur für Kinder an der ETH Zürich macht diese nun zum Thema. Einer der ersten, dem das "Freizeitproblem" unter den Nägeln brannte, war Alfred Ledermann. Als Zentralsekretär von Pro Juventute und Architekt beim Hochbauamt der Stadt Zürich prägte er die Diskussion um die "Spielplatzfrage" und sorgte mit innovativen Bauwerken dafür, dass Zürich bald zum Impulsgeber für Spielplatzfragen im In- und Ausland wurde. Seither entlarvt sich als Banause, wer einen Spielplatz zu erkennen meint, wenn zwischen Häuserblocks eine Schaukel, eine Wippe und eine Rutschbahn stehen. Denn die dreiteilige Standardausrüstung, die seit dem 19. Jahrhundert einen Spielplatz definierte, vermochte den neuen Ansprüchen nicht mehr zu genügen. Nein, ein Spielplatz war fortan Architektur für Kinder, pädagogisch unterfüttert und mit Sinn belegt. Und sollte – etwa nach Vorbild der französischen villes nouvelles – ein künstlerisch-skulpturales Werk sein, in welchem das Kind spielend zur Ästhetik findet.

Ganz anders die reformpädagogisch Inspirierten, zu denen Alfred Ledermann gehörte. Für sie brauchte es Orte des "Nicht-Designs", damit das "kindergerechte Spiel" sich entfalten konnte. In dieser Tradition entstand 1954 in Zürich-Wipkingen der erste Robinsonspielplatz: eine leere Wiese, Baumaterialien und ein altes Tram waren der Stoff, mit dem die Kinder ihre einsame Insel bauen, ansonsten aber tun und lassen konnten, was sie wollten. Solange sie nicht herumlungerten.

Die Ausstellung "Architektur für Kinder: Zürichs Spielplätze" ist noch bis zum 10. Dezember 2014 zu sehen am Institut für Geschichte und Theorie der Architektur (gta): ETH Zürich, HIL-Gebäude, gta-Ausstellungen. Öffnungszeiten: Mo–Fr, 10–18 Uhr; am Wochenende geschlossen