Aus einem offenen Gully guckt der Kopf eines Mannes. "Er hat sich von der anderen Seite der Erde zu uns durchgebuddelt", erklärt die Mama, die mit ihrem Sohn in diesem Bilderbuch durch die Stadt spaziert. "Und jetzt findet er es hier komisch und traut sich nicht raus?", fragt der Sohn. Auf jeder Doppelseite überbieten sich die beiden im Quatscherzählen – und führen uns Lesern vor, wie kurios vieles ist, wenn man nicht durch die Brille der Gewohnheit schaut. Natürlich ist es nicht ernst gemeint, wenn die beiden eine Nonne zur Pinguinforscherin machen und einen tätowierten Mann zum Papa vieler Kinder, dem das Malpapier ausgegangen ist. Und als der Junge neugierig einem Mann zuguckt, der an die Laterne pinkelt, zieht die Mutter zwar ihren Sohn pikiert weiter, erklärt ihm aber trotzdem: "Der gießt den Laternenmast."

Es geht der Autorin Franziska Gehm um Dinge, die wir täglich in einer Stadt sehen, aber nicht richtig ansehen. Die Illustrationen von Horst Klein nehmen das auf: Er walzt die Figuren mit Schablonen auf Buchenholz und lässt in jedem Bild diesen Untergrund in kleinen Details durchscheinen. So fordert er auch optisch dazu auf, mal unter die Oberfläche des Sichtbaren zu gucken und herauszufinden, was sich da verbirgt.

Aber nicht alles, was auf den ersten Blick skurril wirkt, ist komisch: Da ist eine Obdachlose zu sehen, die nach Pfandflaschen sucht und deren Arm in einem Glascontainer steckt. Auch solche erklärungsbedürftigen Szenen beobachten Kinder in der Realität, daher ist es mutig und richtig, dass das Buch sie nicht ausklammert. Doch der Illustrator verzichtet dieses Mal auf seinen Gag, und auch Franziska Gehm schlägt einen anderen Ton an: "Die hat ihr Glück verloren und sucht es jetzt."