Ein Mann mit Mütze und kariertem Mantel, mit einer Pfeife im Mund und einer großen Lupe in der Hand: Wenn wir das Wort "Detektiv" hören, haben wir oft so ein Bild im Kopf. Wir denken an den Meisterdetektiv Sherlock Holmes. Dabei gab es den nie, der Schriftsteller Arthur Conan Doyle erfand die Figur im Jahr 1886. Und er setzte Holmes auch nur in einer Geschichte eine Schlappmütze auf. Trotzdem wurden Mütze, Mantel und Pfeife zu Holmes’ Markenzeichen – und dem für Detektive.

Mit der Wirklichkeit hat das heute wenig zu tun. Christian Thome ist von Beruf Detektiv und hat sogar eine eigene Detektei, also ein Detektivbüro. Niemals käme Thome bei der Arbeit auf die Idee, Pfeife zu rauchen. Damit würde er auffallen. Und wenn er arbeitet, muss er so unsichtbar sein wie möglich. Christian Thome trägt deshalb dunkle, unauffällige Kleidung. Er pirscht auch nicht durch neblige Gassen, sondern sitzt meistens auf der Rückbank seines Autos und wartet darauf, dass etwas passiert. Seine Aufgabe ist es, Menschen zu beschatten. "Observieren" heißt das in Detektivsprache. Und die jenigen, die er beschattet, dürfen davon nichts merken.

Wahrscheinlich ist das auch der Grund dafür, dass viele Menschen Detektive so spannend finden: weil sie im Verborgenen arbeiten und es ihre Aufgabe ist, Geheimnissen auf die Spur zu kommen.

Entstanden ist der Beruf des Detektivs um das Jahr 1750 in London. Damals ging es dort drunter und drüber. Es gab noch keine Polizei und somit auch niemanden, der die Bürger vor Überfällen oder Einbrüchen beschützte, und niemanden, der versuchte, Straftaten aufzuklären. Damit sich die Einwohner der Stadt sicherer fühlten, wurde eine Straßenpatrouille eingeführt, die "Bow Street Runners".

Andere Städte schauten sich die Idee aus London ab, und bald kannte man Männer, die den Ganoven das Handwerk legen, als "Detektive", was so viel bedeutet wie "Aufdecker". Der Beruf war ein wahrer Segen für die Menschen, und immer mehr Detekteien entstanden auf der ganzen Welt. Berühmt wurde die von Eugène François Vidocq in Frankreich. Er war der erste Detektiv, der Gipsabdrücke von Fußspuren nahm. Oder Allan Pinkerton: Der Detektiv hatte einen solch guten Ruf in den USA, dass Abraham Lincoln, der spätere Präsident, ihn als seinen persönlichen Beschützer engagierte.

Es gab aber auch Detektive, die selber kriminell waren. Sie klärten Verbrechen nicht auf, wenn man sie dafür nur gut genug bezahlte. Deshalb wurden Polizisten eingestellt, die sich fortan um die Aufklärung der Straftaten kümmerten. Es waren Detektive, die vom Staat kontrolliert wurden. Noch immer heißen die führenden Ermittler bei der Polizei in England und den USA detectives.

Weil es nun die Polizei gibt, müssen die Detektive von heute keine Morde mehr aufklären. Sie helfen Menschen oder Firmen, die etwas über andere herausfinden wollen, ohne dass sie dazu die Polizei rufen können. Wenn zum Beispiel eine Frau wissen möchte, ob ihr Mann sie betrügt, kann sie einen Detektiv anheuern. Oder wenn ein Chef glaubt, dass sein Angestellter heimlich in einer anderen Firma arbeitet.

Christian Thome hat einmal einen Mann durch drei Länder verfolgt. Der kam aus Japan und war in Europa auf Geschäftsreise. Den Auftrag hatte seine Frau gegeben – die vermutete nämlich, dass ihr Mann eine heimliche Beziehung mit einer Kollegin hatte. Also hefteten sich Thome und seine Kollegen an die Fersen des Mannes und folgten ihm mehrere Wochen durch die Ukraine und die Schweiz bis nach Deutschland.

Erst gab es keinen Hinweis darauf, dass die Vermutung der Ehefrau stimmen könnte. Aber in Deutschland gingen der Mann und seine Kollegin im Park spazieren, und plötzlich hielten sie Händchen und küssten sich. Die Detektive sahen es. Nun mussten sie schnell sein, denn sie brauchten ja einen Beweis. Thome schnappte sich seine Kamera und begann zu fotografieren. "Solche Momente sind wahnsinnig aufregend", sagt er, "in meinem Bauch kribbelt es dann, als hätte ich zehn Flaschen Cola getrunken."

Menschen folgen und Geduld haben ist immer noch wichtig für Detektive – so wie in den Geschichten über Sherlock Holmes. Wenn Christian Thome einen Auftrag bekommt, nimmt er allerdings keine Lupe mit, sondern ein Diktiergerät, in das er jede Beobachtung heimlich hineinspricht. Bei der Arbeit benutzt er auch versteckte Kameras. Die verbirgt er zum Beispiel in einer Krawatte, einem Kugelschreiber oder in einer Uhr.

Mit dem Auto folgen Thome und sein Kollege Verdächtige überallhin, um sie möglichst auf frischer Tat zu erwischen. Dafür wenden sie einige Tricks an. Die Detektive sind zum Beispiel mit einem Auto unterwegs sind, dessen hintere Scheiben getönt sind. Wenn sie damit jemanden beschatten, kann einer der beiden Detektive nach dem Parken hinten sitzen bleiben, ohne dass es auffällt. Der Verdächtige sieht nur, dass der Fahrer aussteigt. Er glaubt dann natürlich, dass das Auto leer sei – und der zweite Detektiv kann ungestört warten und Beweisfotos machen.

Das Warten sei übrigens das langweilige an seinem Beruf, sagt Thome: "Manchmal vergehen neun, zehn Stunden, ohne dass etwas passiert." Mit dem Handy spielen oder Zeitung lesen oder ein Nickerchen machen darf der Detektiv nicht, ständig muss er die Haustür oder das Fenster oder das Auto der Verdächtigen im Blick haben.

Erst ein Mal ist Christian Thome von jemandem entdeckt worden, der ihn nicht bemerken sollte. Der Nachbar eines Verdächtigen rief die Polizei, weil ihm das Detektiv-Auto vor seinem Haus seltsam vorkam. Gleich mehrere Streifenwagen rückten an, um Thome zu kontrollieren. Probleme hat er nicht bekommen, denn was er tut, ist erlaubt. Den Fall hat er trotzdem gelöst, der wirkliche Verdächtige hatte vom Besuch der Polizei gar nichts mitbekommen.