Endlich erreichen uns aus Dortmund auch einmal gute Nachrichten, denn erst hatte die Perle des Ruhrgebiets kein Glück und dann auch noch Pech. Der BVB schoss wenig Tore, Jürgen Klopp war dauersauer, und zu allem Unglück wurde Dortmund aktuell zur "fahrradunfreundlichsten Stadt Deutschlands" gewählt, kurz hinter Wowereits Rumpelstadt Berlin. "Über den Dortmunder Borsigplatz zu fahren ist lebensgefährlich", sagte Chemiestudent Jonas Holl der SZ.

Das ist Schnee von gestern, bald wird Großes geschehen. Dortmunder Politiker, die auf unserem Erdkreis bekanntlich noch nie durch übertriebenen Tatendurst aufgefallen waren, wollen der Welt beweisen, wie man den Niedergang ihrer Metropole durch entschlossenes Handeln aufhält: SPD und Grüne werden zeitnah eine Frauenquote an Dortmunder Ampeln einführen. In der sehr lesenswerten Begründung auf Spiegel Online heißt es: "Durch die Gleichstellung von Frau und Mann im normalen Leben ist eine Umrüstung von Ampelmännchen auf Ampelfrauen nur folgerichtig." Da laut Stadtverwaltung Ampelfrauen im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen einen weit flatternden Rock tragen und keine modisch engen Röhrenhosen, erhöht sich auch die nutzbare Leuchtfläche und damit die Sicherheit im Straßenverkehr.

Aus ungewöhnlich schlicht unterrichteten Kreisen verlautete allerdings, Mitglieder des grünen Arbeitskreises "Mobilität und Krötentunnel" hätten von der SPD verlangt, dass auf jeder funktionstüchtigen Dortmunder Ampelanlage das Konterfei von Frau Katrin Göring-Eckardt verewigt werden müsse. Dagegen wehrte sich die SPD-Fraktion mit der Bemerkung, Frau Göring-Eckardt sei in Dortmund so unbekannt wie ein staufreies Wochenende auf dem Ruhrschnellweg. Nur die Partei Die Linke stellte sich erwartungsgemäß quer. Sie forderte eine nackte, geschlechtsneutrale Alternative und zog damit die Wut der katholischen Verkehrspolitiker auf sich: "Gott schuf kein Neutrum. Er schuf Adam und Eva." Nachdem sich die Streithähne weder auf Andrea Nahles noch auf Veronica Maschmeyer-Ferres haben einigen können, wird nun die Landesmutter Hannelore Kraft im populären Andy-Warhol-Stil als Ampelfrau abgebildet. Frau Kraft hatte jüngst zwei Warhol-Bilder erfolgreich versteigern lassen und damit einen Nettoerlös von 135 Millionen Dollar erzielt. In einer ersten Stellungnahme betonte die Landesmutter, dass mit der Versöhnung von Schönheit und Nützlichkeit auf Dortmunder Lichtsignalanlagen ein Menschheitstraum in Erfüllung gehe.

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