Gold, das wussten schon die Autoren des alten Testaments, Gold soll man nicht anbeten. Doch dies kümmert einige Schweizer Politiker nicht.

Beinahe wäre die Goldinitiative unter dem Radar der öffentlichen Aufmerksamkeit durchgeschlüpft. Doch die SVP hat sie unfreiwillig groß auf dem Schirm aufblinken lassen, als der Zentralvorstand vor einem Monat mit 35 zu 34 Stimmen beschloss, die Initiative zur Ablehnung zu empfehlen. Spötter nannten den Zentralvorstand daraufhin ein Zentralkomitee, ganz in kommunistischer Manier, weil die Delegiertenversammlung tags darauf nicht, wie sonst üblich, nach ihrer Meinung gefragt wurde. Zwanzig Kantonalsektionen haben sich seither um die Empfehlung des Zentralvorstandes foutiert und die Ja-Parole beschlossen.

Doch was wollen die Initianten dieser Volksinitiative eigentlich?

Die Goldinitiative ist das Kind des SVP-Dreigestirns Luzi Stamm, Ulrich Schlüer und Lukas Reimann und verlangt drei Dinge. Erstens: Die Goldreserven der Schweizerischen Nationalbank sind unverkäuflich und müssen – zweitens – in der Schweiz gelagert werden. Drittens soll die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre Aktiven zu einem wesentlichen Teil in Gold halten; mindestens 20 Prozent der Währungsreserven müssen in Zukunft aus purem Gold sein.

Doch nicht nur SVP-Anhänger glühen für das Ansinnen. In der ersten SRG-Umfrage sprachen sich 44 Prozent dafür aus, nur 39 Prozent dagegen. Eine Sensation liegt also drin.

Diskutiert wird über das Volksbegehren aber vor allem im Ausland. It seems nuts, but the Swiss may go back to a gold standard, titelte Quartz, ein US-Onlineportal für Finanz-News. Das Wall Street Journal, Bloomberg, Forbes und sogar die Indiatimes berichten über die bevorstehende Abstimmung. Der Tenor ist überall derselbe: Die Initiative ist eine Schnapsidee. Sie würde dazu führen, dass der Goldpreis steigen und es für die SNB schwieriger würde, die Untergrenze zum Euro zu halten. Die Nationalbank könnte weniger frei handeln und wäre damit weniger unabhängig. Und, auch darin sind sich alle nationalen wie internationalen Analysten einig, das erste Opfer wäre die Schweizer Exportindustrie. Die Gewinner auf der anderen Seite wären die Goldspekulanten auf den internationalen Rohstoffmärkten.

Warum kommt das SVP-Dreigestirn trotzdem auf die Idee, eine solche Initiative zu lancieren?

Ihre vordergründige Antwort lautet: Es geht um die Sicherheit. Gold ist eine Rückversicherung, es könnte im Fall einer Krise zum Zahlungsmittel werden, mit dem die Schweizer Bevölkerung mit Lebensmittel versorgt würde. So sagen es die Initianten in Interviews. Dieser rückversichernde Wert von Gold ist unbestritten, auch bei der SNB. Das ist auch der Grund, warum die SNB immer noch Gold hält, im Inland wie im Ausland. Denn, je nachdem, wo sich eine Krise ereignet, hätte sie damit verschiedene Marktzugänge, wo sie ihr Gold verkaufen kann. Ein Vorteil, auch wenn niemand weiß, ob Gold überhaupt den Wert behalten wird, den es derzeit hat. Denn Gold hat gar keinen realen Wert. Der Preis dafür nährt sich vielmehr aus den jahrhundertealten Mythen, die sich um das glänzende Metall ranken. Darum steigt und fällt der Preis auch ständig wild durcheinander.

Doch im Grunde geht es den Initianten gar nicht so sehr um die Frage der Sicherheit. Es ist die Angst, die sie umtreibt. Die Macht der Nationalbanken ist ihnen unheimlich. Sie fürchten um nicht weniger als das Volksvermögen. Und sie fürchten, manipuliert, betrogen und hintergangen zu werden.

Aus diesem Unbehagen ist die Goldinitiative entstanden. Ende der 1990er Jahre schaffte die Schweiz das Gesetz ab, wonach das Bargeld mit Gold hinterlegt sein muss. Die SNB begann, 1.300 Tonnen Gold zu verkaufen, jeden Tag eine Tonne. Man nannte es überschüssiges Gold. Das brachte 21 Milliarden Schweizer Franken ein. 14 davon erhielten die Kantone, sieben flossen in den AHV-Ausgleichsfonds.

Trotzdem verfügt die Schweiz noch immer über die höchsten Reserven Gold pro Kopf – weltweit.

Doch dem Aargauer SVP-Nationalrat Luzi Stamm ist das zu wenig. Seit 2007 kämpft er im Nationalrat mit Postulaten, Motionen und parlamentarischen Initiativen für mehr Gold oder zumindest mehr Informationen darüber. Sein Fragen- und Forderungskatalog gibt Einblick in die Motive jenseits der Sicherheitsfrage. Er glaubte lange, dass die USA Einfluss nehmen auf den Ort, wo die Schweiz Gold lagert. Mehrmals vermutete er geheime Absprachen. So fragte er den Bundesrat einmal, ob zur Rettung der UBS die Schweiz gezwungen worden sei, Gold in Amerika zu lagern. Falsch, lautete die Antwort des Bundesrates. Stamm fürchtete überhaupt lange, dass die Schweiz Gold in den USA hortet. Damit zwang er die SNB, Auskunft darüber zu geben. Resultat: 30 Prozent des Goldes lagern in England und Kanada, der Rest in der Schweiz. Doch Stamm traut den Leuten nicht. Er vermutet, die Großmächte stünden hinter der Anlagestrategie der SNB.