Jetzt jaulen sie wieder, die Motorsägen. Im Winterhalbjahr darf gefällt werden. Dann wird ein Baum, der 30, 40 Jahre zum Wachsen brauchte, in Stunden zu Kleinholz. Und abends flattern die Baumbewohner, die Eichelhäher und Spechte, wie irre herum und wirken wie kurz vor dem Suizid.

Sicher, es gibt eine Baumschutzverordnung, und "in der Regel" muss für jeden gesägten ein neuer Baum gepflanzt werden. Trotzdem: Jedes Jahr werden es 6.000 Bäume weniger, rechnet der BUND vor, an Straßen, in Parks, in Gärten.

Na und?, rufen jetzt die ewigen "Hamburg ist eine grüne Stadt"-Sprücheklopfer: Hey, Hamburg ist eine grüne Stadt! Ein paar Bäume weniger – was macht das schon?

Es kommt drauf an, wo. Ein Baum weniger in den Walddörfern oder am zugewucherten Elbhang ist zu verschmerzen. Mehr noch: In Blankenese wurden in einem Park gerade anonym acht Stück gekappt. Und die dahinter wohnenden happy few – welch Zufall – haben jetzt einen super Elbblick.

Ein Baum weniger im verdichteten Eimsbüttel, das schmerzt. Vor allem, wenn es der letzte große in einem Mehrfamilienhaus-Innenhof ist: Wo man früher aus dem Fenster in gesundheitsförderndes – Studien belegen dies! – Grün guckte, sieht man nun eine Hauswand. Aus deren Fenstern starren einem Leute entgegen, viele mit ähnlichem Blick wie die Eichelhäher und Spechte. Der Hauseigentümer lebt vermutlich am Elbhang. Und es gibt viele Gründe, einen Baum zu fällen: Er war womöglich krank, zu alt – nicht auszudenken, wenn er beim nächsten Tornado gegen das Haus gekippt wäre und man es endlich hätte streichen müssen!

Bei der Stadt, sagt Manfred Braasch vom BUND, "gibt es engagierte Leute, die um jeden Baum kämpfen". Auch wissend, dass Bäume die Luft filtern; Hamburg hat das bitter nötig. Aber am Ende setzten sich die Interessen von Grundbesitzern und Bauträgern durch. Und in den Ämtern sei man überlastet, könne nicht alles prüfen. Im Bezirksamt Eimsbüttel werden nur zwei Prozent der Fällanträge abgelehnt, so wenig wie nirgends sonst in Hamburg. Und eine Woche lang kommt keine Auskunft, ob in jenem Innenhof wenigstens Ersatz gepflanzt werden muss.

Das ist zwar sowieso immer nur ein drei, vier Meter hohes Stängelchen. Aber oft ist angeblich nicht mal dafür Platz. Weshalb der Bezirk Nord eben beschloss, wenigstens jeden gefällten Straßenbaum nachzupflanzen. Auch aus Eimsbüttel erfährt man knapp vor Redaktionsschluss: Bedingung für die Fällerlaubnis ist tatsächlich ein Ersatzbaum. Von dem ist bisher nichts zu sehen.