Das Stadtrad kommt in die Randbezirke: Barmbek-Nord, Bahrenfeld, Harburg. 1.650 Räder an 131 Stationen. 268.000 Nutzer, die in diesem Jahr schon 2,2 Millionen Mal zugriffen. Beeindruckende Zahlen. Für vierzig neue Stationen will die Stadt nun 460.000 Euro ausgeben. Nur: Welche Idee wird da, genau betrachtet, in die Vororte exportiert?

Das Stadtrad ist ein reiner Gebrauchsgegenstand. Er hilft, von einem Ort zum anderen zu kommen. Als Objekt aber besitzt das Leih-Bike keinen Wert, es hat nichts Unverwechselbares. Damit steht es im scharfen Kontrast zum eigenen Fahrrad, zu dem der Mensch seine persönliche, mal konflikt-, mal segensreiche Beziehung aufbaut.

Die emotionale Abkoppelung vom Gefährt ist zweischneidig. Das Auto zum Beispiel gilt als umweltverschmutzende Maschine – sie zu mieten ist politisch korrekt und zeigt das persönliche Hinauswachsen über die Welt der Fetische an. Das Fahrrad hingegen verkörpert gesellschaftliche Tugenden: Die Umwelt wird entlastet, die Gesundheit des Bürgers gestärkt.

Müsste nicht also das Fahrrad so individuell auf seinen Besitzer abgestimmt sein wie, sagen wir, seine Unterwäsche? Muss nicht die Bindung ans Bike inniger werden, ja regelrecht symbiotisch? Es geht schließlich um den Erhalt guter Luft und gesunden Grüns. Achtung: Das Stadtrad ist eine Geliebte für eine Tour – wie schnell lässt sie sich betrügen mit Moped oder Auto.