Die gibt es noch heute. Der wahre Mosaik -Fan freilich empfindet die Hefte seit 1976 nur als Nachglut der Hegenbarthschen Epoche. Die wiederum hatte ihre Glanzzeit vom Mai 1964 bis Juni 1969, mit den Heften 90 bis 151 und der unvergänglichen Runkel-Serie. Deren Motive wurden periodisch plagiiert. Unsereins hielt sich ans Original.

Und Hegenbarth? Wurde vollends zum Mythos. Er sei tot, hieß es, oder im Westen. Er lebte zurückgezogen in Berlin-Karlshorst, in der Waldowallee 15, wo die Seinen früher das Mosaik erschaffen hatten. Die Digedags ließ er ruhen. Im letzten Heft, Nr. 223 vom Juni 1975, entschwanden sie in jenes traumbildliche "Reich, aus dem sie vor langer Zeit gekommen waren und in das sie eines Tages wieder heimkehren mussten. Als die Digedags ihren Gastgebern ein letztes Lebewohl zuwinkten, da wußten sie, daß dies auch ein Abschied für alle war, die sie kannten und die sie liebten."

Ich bin Johannes Hegenbarth niemals begegnet, trotz mehrfachen Versuchs. Ich klingelte an seiner Tür, er machte nicht auf. Ich rief seinen Namen, da flatterte aus seiner Loggia ein Rabe. Ich schrieb ihm einen Brief, der keine Antwort fand. 2012 fuhr ich zur Eröffnung der großartigen Mosaik -Ausstellung im Leipziger Zeitgeschichtlichen Forum, dem er seinen Vorlass vermachte. Hegenbarth hatte sich angesagt, doch er stürzte und konnte nicht kommen. Später sah er die Schau und freute sich daran. Derzeit gastiert sie im Verkehrsmuseum Dresden.

Nur im Tode war der Meister anzutreffen. Nicht mal das hat er gewollt. Erst nach seinem Begräbnis sollte man erfahren, dass Hannes Hegen diese Welt verlassen habe. Johannes Hegenbarth, der verborgene Schöpfer des Mosaiks, starb am 8. November 2014, mit 89 Jahren. Am 18. November wurde er begraben, in Karlshorst. Dreißig Menschen folgten seinem Sarg, darunter Lona Rietschel, die Erfinderin der Abrafaxe.

Jahrzehntelang, sagte sie, habe Hegenbarth nicht mit ihr gesprochen. Dann doch wieder. Sie besuchte ihn im Pflegeheim. Er klagte: Man hat mir mein Lebenswerk genommen! Sie widersprach ihm: Herr Hegenbarth, die Abrafaxe sind Ihre Enkel, die dürfen Sie nicht verstoßen. Enkel kommen, die macht man nicht selbst.

Dann begaben wir uns in die Kapelle. Am Sarg lehnte Hegenbarths Porträt. Er lächelte. Davor lagen Blumengebinde. Auch Ritter Runkel und die Digedags hatten einen Kranz gesandt, ebenso die Abrafaxe. Niemand predigte, niemand sang. Cellomusik erklang, vom Band, nur wenige Minuten. Die Träger ergriffen den Sarg und sprachen: Ziehe hin! Wir zogen zum Grabe. Dort wurde Johannes Hegenbarth eingesenkt, neben seiner 2008 gestorbenen Frau Edith, die gleichfalls für das Mosaik gezeichnet hat. Lona Rietschel trat an die Grube und dankte dem rätselhaften Mann für die schöne Zeit. Jeden Tag, sagte sie ihm, gab’s was zu lachen.