Sieben Prozent: So viel haben E-Books im ersten Halbjahr 2014 zum Umsatz im Bereich Kinder- und Jugendbuch beigetragen. Sieben Prozent, die etwas über die Chancen aussagen, vor denen die Verlage stehen: Noch ist das E-Book der kleine Bruder des Gedruckten, noch ist im Digitalen viel Raum zu wachsen. Bloß: Wie und mit welchen Formaten macht man das?

Der digitale Klassiker für erzählende Bücher ist das E-Book, vor allem bei Titeln für Jugendliche. Die Verlage bringen ihr Programm oder Teile davon zusätzlich zum gedruckten Buch auch in digitaler Form heraus. Sie publizieren außerdem sogenannte digital firsts, also Bücher, die zuerst als E-Book erscheinen. Im Dezember startet etwa "dtv digital", ein E-Book-Programm von dtv, in dem auch digital firsts des Jugendliteraturpreisträgers Kevin Brooks erscheinen werden. Seit Oktober gibt es bei Hanser ein E-Book-Programm namens "Hanser Box", in dem kurze Geschichten namhafter Autoren als digital onlys auf den Markt kommen, sie sind in Deutschland ausschließlich digital zu haben. Für das Jugendbuch sind darin Raquel S. Palacio und Sally Nicholls vertreten. Der Carlsen-Verlag hat mit dem Label Impress auf den Erfolg des Self-Publishings reagiert. Autoren, die mit selbst publizierten Stoffen im Netz erfolgreich waren, wurden angeworben und sind nun auf einer Plattform für "Romantasy" versammelt. Bei Impress gibt es romantische Fantasy digital für etwa vier Euro pro Geschichte.

Für jüngere Zielgruppen entwickeln die Verlage Apps, in denen man sich spielerisch durch animierte Welten bewegt – sei es als Ergänzung zu einem gedruckten Buch oder als eigenständiges digitales Angebot. Kinderbuchverlage werden so zu Spieleentwicklern und oft genug auch zu Lehrern. Da die Zielgruppe, jüngere Kinder, meist noch keine eigenen Tablets und Smartphones besitzen, müssen die Angebote auch den Eltern, den Gatekeepern, gefallen. Und die mögen es, wenn das Kind sich bildet. So können die mit Apps Mathe lernen, Buchstaben üben, den Weltraum oder Ozean erforschen.

Eine wirkliche Verbindung von gedruckter und digitaler Welt möchte der Hamburger Carlsen-Verlag dieser Tage mit dem Programm "LeYo" schaffen, acht Büchern und einer dazugehörigen App. Das Zauberwort heißt Augmented Reality, erweiterte Realität. Die Titel der Reihe sind klassische Sachbücher, über den Bauernhof und über große Fahrzeuge. Dazu ein Atlas und ein Märchenbuch. Wer die App herunterlädt und das gedruckte Buch durch ein Tablet oder Smartphone betrachtet, bekommt an vielen, besonders markierten Stellen Zusatzinfos und kann im wahrsten Sinne des Wortes tiefer in die Materie eindringen. Ob das die Antwort auf die Frage ist, wie man digital wachsen kann, ist offen. Aber einen Versuch scheint es wert.