Wie gut, wenn einem in der Not geholfen wird! Das erfährt ein Vogel mit gebrochenem Flügel, als ein Löwe ihn aufnimmt und gesund pflegt. Während draußen bittere Kälte herrscht, sehen wir Bilder in warmen Farben, die Vogel und Löwe vertraut miteinander in einer igluartigen Hütte zeigen. Dann, in der Mitte des Buches, ist eine Doppelseite plötzlich leer. Das ist kein Druckfehler, das Nichts auf den Seiten symbolisiert den Schnee – was wir erkennen, wenn auf der nächsten, ebenfalls größtenteils weißen, Doppelseite ein zartrosa Krokus hervorbricht. Diese Blume ist der Vorbote des Frühlings und der Wendepunkt in der leisen Geschichte der Kanadierin Marianne Dubuc. Denn als der Frühling kommt, wird der Vogel unruhig. Der Löwe klagt nicht, als der Freund mit seinen Artgenossen fortfliegt. Er arbeitet im Garten, kommt allein klar. Er verhält sich wie ein guter Vater, der sein Kind ziehen lässt, wenn es groß geworden ist. Und dann, im Herbst, kehrt der Vogel zurück. Er braucht den Löwen nicht mehr, er möchte bei ihm sein. Pointierter lässt sich von Freundschaft kaum erzählen.