Kapitel 1: Nüsse gestohlen. Alle verdächtig.

"Schreckliche Diebe!", rief ein kleines Tier, das aufgeregt durch den Schnee angehüpft kam. "Dreckliche Schiebe!" Es war Abend, und der Wald war ganz still. Es schneite leicht und hübsch. "Grässliche Plünderer!", rief das kleine Tier mit zitternder, piepsiger Stimme. "Pressliche Gründerer!"

Dann kam das Tier zu einem Pfad. Und der Pfad führte zu einem kleinen Haus. Und in dem kleinen Haus war eine Polizeistation. Im Fenster leuchtete ein Licht, denn so war es immer bei der Polizei. Das Tier klopfte den Schnee von seinem Fell und schüttelte seinen langen, pelzigen Schwanz so sehr, dass die Schneeflocken aufwirbelten. Es war ein Eichhörnchen, und jetzt trocknete es sich die Füße ab und trat ein.

"Hu! Schrecklich und traurig!", rief das Eichhörnchen. "Schaurig und drecklich!" Das Eichhörnchen schaute sich um. Eine ganz normale Polizeistation. Zuerst kam man in das große Polizeizimmer. An der Wand neben der Tür hing ein Glasschrank. In dem Schrank lagen ein Schlagstock und eine Pistole. Das Glas war sehr dick, und der Schrank war mit einem schweren Schloss abgeschlossen.

Mitten im Zimmer stand ein Ofen, in dem noch ein bisschen Glut war. Hinter dem Ofen ging es in eine kleine Küche, in der man Tee kochen konnte. Die Polizei hatte viele moderne Sachen, die dem Eichhörnchen zu kompliziert waren. Es war ein merkwürdiges Haus mit seltsamen Dingen, fand es. Selbst wohnte es in einem Loch in einem Baum. Es besaß keinen Tisch und keine Stühle und so was. Es hatte nur sich selbst und seine Nüsse. Das war gut und reichte völlig.

Dann entdeckte das Eichhörnchen drei sehr große Keksdosen. Ein angenehmer Duft kam ihm entgegen, und es schaute die Dosen interessiert an.

Das Eichhörnchen wandte sich nach rechts. Da lag das Gefängnis, mit einer Gittertür, die offen stand. Innen gab es eine Pritsche mit Daunendecke und zwei Kissen. Diebe waren zurzeit offenbar keine da.

Es wandte sich nach links. Da war ein anderes kleines Zimmer, das Schlafzimmer für den Polizeichef. Das Eichhörnchen linste durch den Türspalt. Über dem Bett hingen Bilder von verschiedenen Kröten. Alte Kröten und viele kleine und ziemlich hässliche Kröten, fand das Eichhörnchen.

Egal. Jetzt ging das Eichhörnchen nach vorne, zum großen Schreibtisch. Am Schreibtisch saß eine schwere Kröte, vor sich ein wichtiges Papier und in der Hand einen Stift. Diese Kröte war der bekannte Kommissar Gordon. Kriminalkommissar Gordon, Polizeichef und Detektivchef dieses Waldes. Der berühmte Kommissar Gordon war der Schrecken aller Diebe. Aber Kommissar Gordon schlief. Er lag auf dem wichtigen Papier, das Gesicht mitten in einem kleinen Haufen Krümel. Sein Mund war offen, und er schnarchte. Aus dem einen Mundwinkel lief ein bisschen Spucke auf das wichtige Papier.

"Hu", sagte das Eichhörnchen noch einmal leise. Der Kommissar zuckte zusammen, brummte ein bisschen und leckte sich im Schlaf die Lippen. Dann rieb er sich die großen runden Augen. Plötzlich schien er hellwach zu sein. "Ich habe überhaupt nicht geschlafen!", sagte er schnell. "Ich habe gerade etwas Wichtiges geschrieben." Er sah das Papier. Es war feucht, und alles Geschriebene war verschmiert. Mit vielen Krümeln drin. "Ist aber nicht so besonders geworden", ergänzte er betrübt und zerknüllte das Papier.

"Mein liebes Eichhörnchen, nimm doch bitte auf dem Besucherhocker Platz. Womit kann ich dir behilflich sein?" Das Eichhörnchen setzte sich vorsichtig auf den kleinen Hocker und begann zu erzählen. Es war eine lange und wirre Geschichte, die sehr langsam in Fahrt kam und dann überhaupt nicht aufhörte. Mehr und mehr Tiere tauchten darin auf, hatten dann aber nichts in der Geschichte zu tun und verschwanden wieder. Furchtbar viele waren verdächtig. Aber wo war das Verbrechen? Kein normal begabtes Tier konnte daraus klug werden. Kommissar Gordon allerdings schon.

Am Schluss der Erzählung war das Eichhörnchen so bewegt, dass es in Tränen ausbrach. Kommissar Gordon reichte ihm ein Taschentuch, unterbrach es aber nicht. Das tat er nie. Manchmal sagte er ein kleines "Mhm", um dem Eichhörnchen auf die Sprünge zu helfen. Nach einer Dreiviertelstunde nahm der Kommissar ein trockenes Blatt Papier und schrieb:

Einige Nüsse dem Eichhörnchen gestohlen.

Niemand verdächtig. Oder: Alle verdächtig!

Jetzt war das Eichhörnchen endlich mit seiner Geschichte fertig, schluchzte noch ein bisschen und rieb sich mit dem Schwanz die Nase, um sich zu trösten. Es hatte eine weiche Nase und milde, empfindliche Augen. Der Kommissar wurde ein bisschen neidisch. Er hatte in seinem Schreibtisch zwei Schubladen. In der einen lagen wichtige Aufzeichnungen. In der anderen lag der Stempel. Er holte den großen, altmodischen Stempel hervor, stellte ihn aufs Papier, rückte ihn ein wenig nach rechts, rückte ihn wieder zurück. Dann stempelte er. Ka-dump! machte es.

Sofort war das Eichhörnchen ruhig und zufrieden. Ein sehr guter Stempel, dachte Kommissar Gordon. Das Eichhörnchen hielt das Taschentuch ganz fest zwischen den Pfoten. "Kriege ich meine Nüsse zurück?", fragte es. "Ich werde mich um den Fall kümmern."

Gemeinsam gingen sie hinaus in den Schnee. Es schneite immer noch, aber der Vollmond stand über oder vielmehr ruhte er auf den Tannenwipfeln und leuchtete. Das Eichhörnchen bot sich an, den Weg zu zeigen. Kommissar Gordon schüttelte den Kopf. Er konnte ja sehen, woher die Spuren kamen. Er konnte ihnen folgen. Nicht umsonst war er Detektiv.