José Carlos Reis Arsénio, Portugals Generalkonsul in Stuttgart, ordnet das Buch vorbeugend ein. Lissabon lasse sich nicht auf die Vergangenheit reduzieren, schreibt er im Vorwort. Wer immer die Metropole beschreibe, müsse sich ihr gleichermaßen rational und poetisch nähern. Mit der Tram durch Lissabon zu fahren sei nur eine Möglichkeit, die Stadt kennenzulernen, wenn auch eine einzigartige. Straßenbahnen seien Reliquien, und mit ihrem Charme seien sie im Laufe der Jahrzehnte zu Symbolen der Hauptstadt geworden. "Steigen Sie ein!" Wer dieser Aufforderung folgt und das Trambilderbuch durchblättert, findet Fotografien von Fahrzeugen und Fahrgästen, Stationen und Straßenzügen, Passanten und Plätzen, bei Sonne und Regen, bei Tag und Nacht. Atmosphäre, zum Greifen nah. André Poling und Sabine Weiß beschreiben, wie "die Eléctrico" durch enge Gassen ächzt und schaukelt. Und sie zitieren Schriftsteller, etwa Fernando Pessoa, der auf Fahrten mit der Tram "geruhsam und in allen Einzelheiten" Menschen und Stadtviertel so intensiv wahrnahm, als habe er "soeben das ganze Leben gelebt". Oder Hans Magnus Enzensberger, den nicht nur die Sprossenfenster der Wagen "aus honigfarbenem Holz, die sich bei schönem Wetter öffnen lassen", begeistert haben. Auf acht Tramstrecken führen die Autoren durch Lissabon: eine empfehlenswerte Art, die Stadt zu erleben. Und ein empfehlenswertes Buch, das hierzu anregt und informiert. Kleiner Makel: Der Plan des Liniennetzes ist so klein gedruckt, dass er kaum zur Orientierung dient.