Die DDR war eine Monarchie. Es regierte ein Märchenkönig namens Hannes Hegen. Niemand sah ihn je, doch seine Regentschaft beglückte Generationen von Ostdeutschen. Er gewährte Reisefreiheit in die ganze Welt, auf den Planeten Neos und durch alle historischen Epochen.

Bürgerlich hieß der Monarch Hegenbarth. 1955 wurde der junge Grafiker beim Ostberliner Verlag Neues Leben vorstellig und offerierte seinen Entwurf einer Bilder-Zeitschrift. Er kam zur rechten Zeit: Die junge DDR kämpfte gegen jene Flut westlicher Comics, die via offene Grenze in den SED-Staat schwappte und dessen Jugend besudelte. Hegenbarth versprach humanistische Qualität; einstweilen ließ man ihn gewähren. So begann die Geschichte des Mosaik.

Anfangs war Hegenbarths Heft Klamauk, später feinste Kunst. Die Auflage betrug 600.000 und reichte nie. Allmonatlich folgte das süchtige Leservolk den Kobolden Dig, Dag und Digedag: Die Digedags weilten im alten Ägypten und im antiken Rom, sie tummelten sich an den Höfen Ludwigs XIV. und Katharinas der Großen, sie erlebten die Erfindung von U-Boot und Dampfmaschine. Mosaik reifte zum antimilitaristischen Bildungsroman, entzückend illustriert. Sein Opus magnum schuf Hegenbarth mit der Orientfahrt des Ritters Runkel von Rübenstein: Sie dauerte über fünf Jahre, beginnend 1284 respektive 1964, von Heft 90 bis Heft 151. Nun ist der menschenscheue Märchenkönig gestorben, mit 89 Jahren. Sein Schatz ruht in prächtigen Mosaik-Sammelbänden.