Der Mann, der hier spricht, ist weit gereist. Spieler, Spaßvögel, Hurensöhne – alles hat er gesehen. Jetzt steht er mit dem Rücken zur Wand, die Leute tuscheln schon ein bisschen, als er sich noch einmal aufrafft und ans Mikrofon tritt. Saxofon werde er lernen, erklärt er, nächtelang Scotch trinken und weiterhin all die ungesunden Dinge tun, die ihn die schiefe Bahn des Lebens hinunterstrudeln haben lassen, denn "this is for me the essence of true romance". Es gibt noch andere grandiose Verliererepen auf Aja, dem 1977 erschienenen, vorletzten Album der Band Steely Dan. Das an die Odyssee angelehnte Home At Last etwa oder den Titelsong, in dem der Held mit dem Gedanken spielt, trotz all seiner Blessuren in den Armen einer schönen Frau Erlösung zu finden. Keines aber geht die Sache so frontal und grundsätzlich an wie Deacon Blues. Zu slicken, aus irgendeinem Nachtclub herübergewehten Klängen erklärt Sänger Donald Fagen den Kleingläubigen, was es heißt, unter heutigen Bedingungen den Blues eines blauen Diakons zu haben. Spott muss man ertragen können, die Pharisäer werden einem ins Gesicht spucken, die Therapeuten werden einen in Kur schicken, und doch ist es einem Angehörigen des Geheimordens der Rock ’n’ Roller Pflicht und Vergnügen, die fine line, die den bürgerlichen Alltag vom Abgrund trennt, täglich neu zu überschreiten. Supersong! Verblasener und zugleich blaublumenhafter ist die Abweichlerethik des Rock ’n’ Roll nie wieder formuliert worden. Und komme mir keiner mit dem Einwand, Steely Dan sei doch gar kein Rock ’n’ Roll, sondern Jazz oder Pop oder sonst was. Rock ’n’ Roll ist kein Stil, es ist nicht einmal bloß Musik. Es ist eine Art, es zu tun.