Stimmt – Lyonel Feininger hat auch als Karikaturist für Zeitschriften gearbeitet. Aber bei dieser Arbeit bleibt dem Betrachter das Lachen stecken, so viel Wehmut weht ihn daraus an. Als der Künstler den Night Express losdampfen ließ, lebte er – unfreiwillig – bereits seit drei Jahren in New York. Und was ist diese Arbeit anderes als ein schwarzer Zug zurück in die Heimat? Aus Dessau, aus dem schneeweißen Meisterhaus hatte man Feininger 1938 vertrieben.

Schwarz abstrahiert die Lok mit dem Führerstand, bullig der Schornstein, aus dem Rauch und Rußpartikel in den besternten Himmel fliegen. Über den pechschwarzen Viadukt dampft der Express in rasender Fahrt, sein breiter Lichtkegel streift links und rechts Häusergiebel. Es sind so schiefe Häuser mit so deutschen Giebeln, wie sie bestimmt nicht in New York herumstehen. Das beinahe rührendste aber ist der Mensch unter dem Viadukt, krumm, ein wenig unbeholfen, mit Zylinder und Stock, auch er eine Gestalt aus dem alten Europa, zögernd unterwegs in entgegengesetzter Richtung.

Der Heimweh-Express ist das intime Zeugnis einer Tragödie; und als solches ein Traumstück mit Albtraum-Note. Für die Auktion bei Villa Grisebach am 27. November ist der Nachtexpress (Öl auf Leinwand, 35,7 mal 43,5 Zentimeter), der aus der Familie des Künstlers stammt, mit 100.000 bis 150.000 Euro angesetzt.

Lyonel Feininger: "The Night Express" (1941)