Niemand war sicher vor ihrem Treiben, und wahrscheinlich bekreuzigten sich die Bauern, wenn sie die merkwürdigen Gestalten in der Nähe wussten. Damals, als der Dichter noch ein dicker Bub war, müssen sich in seinem Kärntner Heimatdorf Maria Saal ungeheuerliche Dinge zugetragen haben. "Die Leute blickten da hinauf als stünde dort das Schloss von Dracula", erinnerte sich Peter Turrini später. Oben auf dem Landgut Tonhof hielt der vermögende Komponist Gerhard Lampersberg seine Künstlerfreunde aus der Stadt frei, die alle arme Schlucker waren. In diesem Sommerasyl für ausgestoßene Seelen war auch Thomas Bernhard Dauergast, der später seinen Mäzen in dem Roman Holzfällen bloßstellte. Am Tonhof redete man sich nächtelang die Köpfe heiß und verlor sich im Größenwahn der Unverstandenen. In diesem Tollhaus ging der Tischlersohn Turrini in die Poetenlehre. Bei Einbruch der Dunkelheit nannte er vor acht Jahren eine dramatische Erinnerungsskizze, in der er auf seine literarische Frühphase zurückblickte. Anlässlich von Turrinis 70. Geburtstag wuchtete das Wiener Burgtheater nun das bis in viele Details authentische Konversationsstück auf die Bühne.

Die Inszenierung wurde allerdings Christian Stückl überantwortet, dessen Kernkompetenz in Oberammergau und am Münchner Volkstheater liegt. Leider zermalmte seine Theaterpratze ein Stück, das eine Art Alpen-Tschechow sein könnte. Aus einer Tragödie wider Willen entstand so die groteske Travestie auf eine Künstlerkolonie, in der fast die gesamte österreichische Nachkriegsliteratur zu Gast war. Wo Turrini mithilfe des Sprachsadismus der Bernhardschen Tiradenkunst das kulturelle Inferno der Wiederaufbauzeit vergegenwärtigen möchte, lässt die bayrische Kraftlackelei des Regisseurs das Ensemble zum Repertoire deftigen Kolportagetheaters greifen: Es furzt, spuckt, hampelt, poltert, grabscht und kopuliert. Das wäre dem Dichter damals, als er noch ein dicker Bub war, gewiss höchst merkwürdig erschienen, heute, da er altersweise geworden ist, scheint er über solch eine handfeste Geburtstagsgabe beglückt zu sein.