Der Blick auf die Wetterkarte wirkt in diesen Tagen seltsam vertraut: Europa warm, Nordamerika kalt. Während die USA einen heftigen Wintereinbruch erleben, branden an Europas Westküsten Sturmwellen, und in Norditalien versinken Ortschaften im Regen. Gleichzeitig erlebt Deutschland eine nicht enden wollende Warmphase. Genau so war es im vergangenen Winter.

Hierzulande war der diesjährige November bislang 4,5 Grad Celsius wärmer als im langjährigen Durchschnitt; er folgt auf die ungewöhnlich warmen Monate September und Oktober. Seit Monaten hält ein starker Strom subtropischer Luft die Kälte aus Mitteleuropa fern, und es gibt keine Anzeichen für eine baldige Änderung: Der Herbst steuert auf einen Wärmerekord zu.

"Einbetoniert" nennen Experten diese Wetterlage, welche in den letzten Monaten ebenso wie im vergangenen Winter dominierte. Fällt also auch der nächste Winter bei uns aus? Natürlich antwortet kein seriöser Fachmann mit Ja oder Nein auf diese Spekulation. Diskutiert wird die Wetterparallele in der Szene aber gleichwohl. "Die Höhenströmung kommt einfach nicht vom Fleck", sagt der Meteorologe Lars Kirchhübel vom Deutschen Wetterdienst. So wie im Winter 2013, als der Zustrom subtropischer Warmluft einfach nicht abriss.

Meteorologen erklären sich die Stabilität dieser Großwetterlage mit der ungewöhnlichen Schwingung des polaren Jetstreams. Dieses Starkwindband weht in großer Höhe um die Nordhalbkugel. Wenn die Temperaturunterschiede zwischen Pol und Tropen zu groß werden, beginnt es zu schlingern und sorgt so für einen natürlichen Austausch: Kaltluft wird nach Süden gepumpt, Warmluft nach Norden. Das Schlingern gleicht einer Wellenbewegung, Meteorologen sprechen von "Rossby-Wellen". Sie steuern die Position der Hochs und Tiefs in unseren Breiten.

Normalerweise bildeten sich fünf bis sieben dieser Wellen über der Nordhalbkugel aus, sagt Kirchhübel. Seit einiger Zeit aber zählten die Meteorologen nur vier bis fünf Wellen, die dafür weiter nach Süden und Norden ausgreifen. Und das hat Folgen: Die Wellen wandern nicht mehr mit der Grundströmung ostwärts (etwa von Amerika zu uns), sondern bleiben an Ort und Stelle hängen. Und mit ihnen das Wetter: Wo es regnet, hört es nicht mehr auf (wie in Norditalien). Wo Arktisluft einsickert, bleibt sie träge liegen (wie über Nordamerika). Und ein besonders lebendiger Atlantik schaufelt unaufhörlich Warmluft Richtung Europa.

Wintersportlern verheißt diese Beton-Wetterlage eine Enttäuschung: viel zu warm, kaum Schnee, kaum Kälte. Bis zum meteorologischen Winteranfang am 1. Dezember jedenfalls ist nicht mit knackigem Frost zu rechnen, so sagen es die Wettermodelle. Setzt der Dezember den Trend der Vormonate fort, könnte 2014 das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen werden – und die Jahresmitteltemperatur in Deutschland könnte erstmals die Zehn-Grad-Marke übersteigen.