Doch der Streit nimmt jetzt erst richtig Fahrt auf. Der 33-jährige New Yorker Regisseur Morgan Spurlock hat in der Zeitung vom Prozess der dicken Jugendlichen gelesen und will die "Killerburger" am eigenen Leib testen. 30 Tage lang ernährt er sich ausschließlich von McDonald’s-Produkten und filmt sich dabei. Er verleibt sich 13,5 Kilo Zucker und 5,5 Kilo reines Fett ein und nimmt 11,25 Kilo zu. Die von Spurlock berichteten Folgen: Herz- und Leberschäden, Depressionen, Cholesterinanstieg, Libidoverlust – und eine Sucht nach weiteren Fett- und Zucker-Tonnagen. Im Mai 2004 kommt sein Dokumentarfilm Super Size Me in die Kinos, ein PR-Debakel für McDonald’s.

Das Unternehmen kritisiert Spurlocks Fressorgie als "unverantwortlich" und "realitätsfremd", rüstet aber seine Produktpalette ab. Die übergroßen Super-Size-Portionen werden gestrichen, außerdem wird eine "Aktive Glücksmahlzeit" eingeführt – mit Salat, Mineralwasser und Tipps zum Walken, inklusive Schrittzähler.

Noch heftiger fällt die Kritik am Hamburger als Vernichter des Regenwalds aus. Um Wachstumsraten von bis zu 20 Prozent zu erreichen, verarbeiten die Burger-Brater immer mehr Rindfleisch aus Zentral- und Südamerika. 1960 konsumiert der Durchschnittsesser in den USA 40 Kilogramm Beef, 1976 sind es bereits 59 Kilogramm. Die Rinder mutierten in der Folge immer stärker vom Gras- zum Proteinfresser: Seit den sechziger Jahren ist es verbreitete Praxis, die Tiere einige Wochen vor der Schlachtung zu Zehntausenden in Mastpferche zu sperren und mit konzentrierter Eiweißnahrung zum Schlachtgewicht zu treiben.

Um Platz für Weideland und Futtermittelanbau zu schaffen, regieren in den Regenwäldern Äxte, Kettensägen und Feuerwalzen. Das Rechenzentrum des brasilianischen Instituts für Weltraumforschung registriert bereits im September 1987 in den Weiten des Amazonasbeckens mehr als 10.000 Brandherde und die größte jemals beobachtete Rauchwolke. Der Hamburger frisst den Regenwald. 1994 holt US-Autor Jeremy Rifkin in seinem Buch Das Imperium der Rinder zum Rundumschlag gegen die Rinderbarone aus. Er beschreibt, wie Sägemehl, aber auch eiweißreicher Hühnerkot ins Rinderfutter gemischt werden und wie der weltweite Rinderbestand von 1,28 Milliarden Stück Vieh die Ökosysteme der Erde verheert.

Die Kritik am extremen Fleischkonsum hat bis heute angehalten und mit der Veggie-Welle einen neuen Höhepunkt erreicht. McDonald’s reagiert auf solche Entwicklungen und hat inzwischen vegetarische Burger ins Programm genommen. Doch die Geschäfte laufen schlechter – trotz 70 Millionen Kunden täglich in 35.000 Schnellrestaurants in 119 Ländern. Schon im letzten Quartal des Jahres 2002 schrieb die weltgrößte Hamburger-Kette zum ersten Mal in ihrer Unternehmensgeschichte rote Zahlen. Quartalsverlust: 343,8 Millionen Dollar. Auch in diesem Jahr häufen sich die schlechten Nachrichten: ein Fleischskandal in China, Restaurantschließungen in Russland, einbrechende Erlöse im Heimatmarkt USA, und auch die Deutschen "zögern beim Gang zu McDonald’s", wie jüngst gemeldet. Der Imageverlust ist unübersehbar. Schlechte Zeiten für Hamburger vom Fließband. Gute Zeiten für das neudeutsche Burgertum.