Und weiter geht es mit Mark Twain. Unverdrossen, obwohl schon siebzig und von Schicksalsschlägen gebeutelt, vom Tod seiner Frau, vom Tod zweier seiner drei Töchter, diktiert er Tag für Tag seine Erinnerungen, ein buntes Gemisch aus Plaudereien, harschen politischen Kommentaren und geistreichen Beobachtungen. Wir befinden uns im zweiten Band seiner Autobiografie. Zeit des Diktats sind die Jahre 1906/07; Zeit des Diktierten ist sein ganzes Leben, so wie es ihm gerade in den Kopf kommt. Und wieder bewundern wir seinen Witz, sein helles Temperament, seine gnadenlosen Übertreibungen und seine Unerschrockenheit.

Im Oktober 1865 erschüttert ein Erdbeben San Francisco, wo Twain gerade arbeitet, und er erinnert sich: "Ich hatte keine Angst, weil ich nicht wusste, dass es sich um ein Erdbeben handelte. Es rüttelte mich gehörig durch, und ich fiel gegen ein Haus an der Straßenecke; doch zunächst vermutete ich, im Inneren des Hauses sei ein Tumult im Gange. Das interessierte mich, denn ich war Zeitungsreporter, der für so etwas dankbar war. Ein paar Momente später begriff ich, dass es ein Erdbeben war, und machte Anstalten, es mit der Angst zu tun zu bekommen, als ich merkte, dass die Zeit dafür verstrichen war und meine Angst sich nicht mehr lohnte."

Anrührend sind abermals die Auszüge aus Susys Biographie, den Aufzeichnungen seiner Tochter (sie starb 1896 im Alter von 24), die der Vater liebevoll kommentiert und ergänzt. Dabei fällt ihm ein, wie er sich einmal mühte, das Fahren auf dem Hochrad zu erlernen, immer wieder stürzte und wie er am Ende von seinem Fahrlehrer, einem Deutschen, das Kompliment erhielt: "Mr. Clemens, Sie können auf unterschiedlichere Arten vom Fahrrad fallen als jeder andere, den ich bislang gesehen habe."

Samuel Langhorne Clemens, so der bürgerliche Name, war seinerzeit der berühmteste Schriftsteller der USA. Er hatte viele namhafte Freunde und auch Feinde, er mischte sich gerne ein, reiste fast um die ganze Welt, und so gibt dieses hervorragend kommentierte und übersetzte Werk einen lebendigen Einblick in ein ganzes Leben, eine ganze Epoche.