Wir ahnten es immer schon, dass der Bundeskanzler in seinem Innersten ein Musketier sein muss. Nun wurden auch die letzten Zweifel an seinem wahren Wesenskern endgültig ausgeräumt. "Ich kann mich auf euch verlassen, ihr könnt euch auf mich verlassen", rief der rote D’Artagnan am vergangenen Freitag den Delegierten zu, die gerade beschlossen hatten, ihn noch zwei weitere Jahre an ihrer Parteispitze ertragen zu wollen. Der Geist von Alexandre Dumas schwebte also bei dem sozialdemokratischen Bundesparteitag über den aufrechten Häuptern der Funktionäre. Die innerparteiliche Zustimmung lässt auch darauf schließen, dass die Menge seiner letzten Getreuen die Zahl Drei kaum übersteigen dürfte. Das Zerwürfnis mit der oberösterreichischen Lady de Winter erscheint typisch für die Art und Weise, in der sozialdemokratische Konflikte prinzipiell ausgetragen werden. Sie bildet ein politisches Genre sui generis, eine Abart der Mantel-und-Degen-Komödie. Der Degen, eine Hieb- und Stichwaffe, symbolisiert den Schlag, welcher der Frauenquote versetzt wurde – inklusive nachträglicher Sticheleien. Hieb- und stichfest waren des Kanzlers Argumente diesbezüglich kaum, und so musste rasch der Mantel des Schweigens über die Schmach gebreitet werden. Wirklich ausgefochten wurde diese Causa allerdings nie, und deswegen ist es ein Gebot der Stunde, möglichst viele Feinde, die jenseits der Parteigrenzen lauern, zu erfinden. Ein multipler Kardinal Richelieu sozusagen, in Gestalt der Neoliberalen, Schwarzen, Blauen und überhaupt. "Verlassen können wir uns nur auf uns selbst." Eine kluge Einsicht, denn nicht einmal Journalisten hätten Interesse an einer starken Sozialdemokratie. Das spricht für eine ähnlich romantische Auffassung von dem Wesen der freien Presse, wie sie zu Lebzeiten von Dumas anzutreffen war. Genauso romantisch ist es, in 84 Prozent Zustimmung einen Erfolg sehen zu wollen. "Keiner für alle" scheint der Leitspruch der Stunde in der Partei zu sein. Alternativen sind aber kaum in Sicht, somit gilt ebenso: "Alle für keinen."