Mark, Du erinnerst mich an einen Arzt, der nicht zugeben will, dass seine Therapie nicht wirkt, und deshalb immer weiter die Dosis erhöht. Das viele billige Geld hilft nicht, und die Konjunktur kommt immer noch nicht in Gang? Na, dann werfen wir eben noch mehr Geld ins System, diesmal aus dem Hubschrauber! Vielleicht schlägt die Therapie ja doch noch irgendwie an.

Wir Wirtschaftsjournalisten dürfen vielleicht so denken, und wir können über solche Fragen ruhig diskutieren. Die Politik aber sollte solche Experimente vermeiden – denn nichts anderes wäre der Helikopterflug: ein nie dagewesenes geldpolitisches Experiment mit entsprechend großen Risiken. Selbst Fans deiner Idee räumen ein, dass niemand weiß, welche Nebenwirkungen der Geldregen hätte und ob am Ende den Volkswirtschaften wirklich geholfen wäre.

Es geht dabei noch nicht einmal um die Frage, ob die Überweisung großer Geldmengen auf die Konten der Bürger den Konsum ankurbeln würde. Das wird sie. Einige Menschen werden zwar versuchen, das Geld auf die hohe Kante zu legen. Andere aber werden einkaufen gehen: Fernseher, Mobiltelefone, Urlaubsreisen. Je nachdem, wie viel Geld unter das Volk gebracht wird, kann der Effekt sogar beträchtlich sein. Die Frage ist allerdings: Und dann?

Mal ganz abgesehen davon, dass viele Bürger es nicht sonderlich vertrauenserweckend finden dürften, wenn die Zentralbank einfach mal so Schecks verteilte, und dass sie daraus ihre Schlüsse für die Zukunft ziehen würden: Was bitte ändert Dein Helikopter an den grundsätzlichen Problemen im Süden der Euro-Zone? An Frankreichs aufgeblähtem Staatsapparat, am überregulierten Arbeitsmarkt in Italien?

Es stimmt: In diesen Ländern würde die Wirtschaft einen kurzfristigen Erholungsschock erfahren. Aber das kann eben auch negative Folgen haben. Zum Beispiel, weil die Politik dringend notwendige Reformen aufschieben kann. Oder weil der kurzfristige Nachfrageimpuls die Wirtschaft in die Irre lenkt und Firmen zu Investitionen treibt, die langfristig nicht sinnvoll sind und deshalb auch nicht ertragreich sein werden.

Übrigens: Milton Friedman wäre vermutlich selbst skeptisch gewesen, ob ein Helikopterstart im Jahr 2014 sinnvoll wäre. Zwar ging es ihm in seinem Gedankenspiel in der Tat um die Frage, wie sich die Inflation nach oben treiben lässt. Er glaubte fest daran, dass Inflation immer eine Frage der Geldmenge sei. Aber in der heutigen Situation hätte er eine weitere Lockerung der Geldpolitik wohl abgelehnt.

Aus gutem Grund. Mich jedenfalls erinnert die Lage in Europa immer mehr an die Situation in Japan in den neunziger Jahren. Auch damals versuchte die dortige Notenbank lange, die Stagnation mit monetären Mitteln zu überwinden. Dabei lag die Wurzel des Übels in einem Bankensektor, der eine Immobilienblase finanziert hatte und nach deren Platzen schwer angeschlagen war. Erst als man dieses Problem anging, änderte sich die Lage.

So ist es auch heute in Europa. Die Geldschwemme war hilfreich, als die Welt vor fünf Jahren in den finanziellen Abgrund schaute. Damals musste das Schlimmste verhindert werden. Jetzt aber werden die unerwünschten Nebeneffekte einer lockeren Geldpolitik immer größer. Deshalb ist es Zeit, einen Ausweg aus der Politik des immer billiger werdenden Geldes zu finden. Und deshalb sollte der Helikopter besser am Boden bleiben. Dein Philip

Lesen Sie hier den Text von Mark Schieritz.