Die Idee ist so schön, weil sie so simpel ist: eine Abschaffung der Kaffeesteuer auf fair gehandelte Produkte. Wer sollte etwas dagegen haben? Die Kaffeetrinker nicht. Die Kaffeeindustrie auch nicht. Und der Finanzminister? Nun, es geht hier bloß um knapp 30 Millionen Euro im Jahr. Eine Kleinigkeit, gemessen am Gesamthaushalt. Und diese Kleinigkeit, die muss der Staat ja nicht als Mindereinnahme betrachten, man könnte auch sagen: Wir leisten Entwicklungshilfe.

So in etwa klingt das, wenn Sven Tode die Idee erklärt. Der SPD-Abgeordnete ist selbst kein Kaffeetrinker. Er sitzt in der Bäckerei Dat Backhus, Filiale Lange Reihe, und trinkt heiße Schokolade mit Sahnehaube. Trotzdem geht die Kaffeeinitiative, die derzeit im Bundesrat diskutiert wird, auf den Kakaotrinker Tode zurück. Er war es, der sich überlegt hat, wie man fair gehandelten Kaffee billiger und damit konkurrenzfähiger machen könnte. In Deutschland hat Fairtrade-Kaffee einen Marktanteil von gerade mal drei Prozent.

Schon im Mai hat die Bürgerschaft den Antrag der Hamburger SPD verabschiedet. Stimmt der Bundesrat nun dafür, könnte es in den nächsten Monaten ganz schnell gehen: Die Bundesregierung formuliert ein Gesetzesvorhaben, der Bundestag macht auch mit, und bald darauf greifen Millionen von Deutschen, die bis hierher aus Geiz gewöhnlichen Filterkaffee getrunken haben, zu fair gehandelten Produkten. Eine Idee, geboren in der Kaffeestadt Hamburg, umgesetzt im Kaffeeland Deutschland.

Oder aber die Idee wird nicht umgesetzt. Weil diejenigen Politiker, die Tode ein bisschen herablassend als "die Finanzer" bezeichnet, auf ihre Steuermillionen nicht verzichten möchten. Und weil die schöne Idee aus Hamburg eben doch nicht ganz so simpel ist, wie sie auf den ersten Blick erscheint.

Fairer Kaffee, was heißt das eigentlich? Wer würde von der Steuer profitieren und wer nicht? Und wer soll darüber entscheiden?

Tode ist, natürlich, zuversichtlich. Er arbeitet nicht nur als Abgeordneter, Wahlkreis Barmbek-Uhlenhorst-Dulsberg, sondern auch als Wirtschaftshistoriker, er denkt in Zyklen. Sich selbst bezeichnet er ironisch als "Angehörigen einer Generation, die mit Jutetaschen durch die Welt gelaufen ist". Die jetzigen Konsumenten sieht er eher als Latte-macchiato-Hedonisten. Und er hofft auf die nächste Generation von Kaffeetrinkern, die wieder bewusster konsumiert. Mit seiner Initiative möchte er den Generationenwechsel beschleunigen.

Der Charme des Projekts liegt darin, dass es sich um keine Subvention handelt. Die Kaffeesteuer liegt bei 2,19 Euro pro Kilo. Sie ist ein Relikt aus dem 18. Jahrhundert, einer Zeit also, als die Leute noch weiß gepuderte Perücken trugen und Kaffee als Lifestyle-Droge galt. Fällt die Steuer bei fair gehandeltem Kaffee weg, könnte er, je nach Preisklasse, für Verbraucher erheblich billiger werden.

Ein Rechenbeispiel: Das Kilo Fairtrade-Kaffee Intención von Darboven zum Beispiel kostet 11,20 Euro, ein konventionelles Konkurrenzprodukt liegt bei etwa 8 Euro. Kommt die Steuerbefreiung, würde sich der Preisunterschied auf etwa 12 Prozent reduzieren. Und das wäre gut für Fairtrade-Kaffee. Denn in Deutschland gilt Kaffee, wie Milch und Butter, als Eckprodukt. Heißt: Letztlich zählt der Preis.

Tode hatte die Idee, den fair gehandelten Kaffee billiger zu machen, vor gut zwei Jahren. Er hatte sich als Historiker mit der Geschichte des Hafens beschäftigt, wusste, dass Hamburg Europas größter Umschlagplatz für Kaffee ist. Und dass Händler wie Neumann, Röster wie Tchibo und J. J. Darboven hier ansässig sind. Also ging er mit seiner Idee hausieren. Zunächst war er bei Albert Darboven in Billbrook, dann beim Deutschen Kaffeeverband. Die Reaktionen waren eindeutig, die eine positiv, die andere negativ.