Niemand gibt gern den Löffel ab. Was nachvollziehbar ist, weil man danach ja keinen mehr hat. Glücklicherweise verliert das Drama seinen Schrecken, sobald man einen Besteckladen betritt oder im Netz herumstöbert. Dank einer gewaltigen Innovationsleistung bleiben nach Abgabe eines Löffels stets noch Löffel übrig. Es kommen sogar ständig neue hinzu: Menülöffel (das sind die großen), Kaffeelöffel (das sind die kleinen), Kaffeebecherlöffel (klein, aber etwas länger), Espressolöffel (ganz klein) sowie Sahne- und Tassenlöffel (irgendwie dazwischen).

Darüber hinaus scheint manchem Anbieter das Thema zu entgleiten. Ich bezweifle jedenfalls, dass Marmeladenlöffel, Joghurtlöffel, Grapefruitlöffel, Müslilöffel, Häppchenlöffel, Kiwilöffel, Trinkhalm- und Cocktaillöffel unverzichtbar sind. Und das ist nur die Kollektion eines einzigen Herstellers! Sie enthält auch Schaum-, Schöpf-, Nudel- und Soßenlöffel, für deren Existenz ich ein gewisses Verständnis aufbringe. Ebenso wie für Eierlöffel. Und für Eislöffel, die aber unverständlicherweise auch als Eisschaufeln erhältlich sind.

Natürlich darf man Löffel auch verschenken, wie "abgeben" in der Bestecksprache heißt. Der Onlineshop einer Mittelklassemarke gibt zu diesem Zweck reichlich Geschenktipps. Frauen freuen sich demnach über den Latte-macchiato-Longdrink-Kombinationslöffel.

Kinder, sofern sie ihren Traumlöffel trotz der oben genannten Vielfalt vermissen, jubeln über den neckisch "Clown" genannten Schräglöffel. Männern indes darf man Löffel allenfalls als Teil eines kompletten Bestecksets schenken, niemals einzeln. Die Gründe dafür sind vielfältig. Wir besprechen sie, wenn wir uns demnächst mit Messern befassen.