Normalerweise hätte Ingmar Knop in diesen Tagen die Januar-Ausgabe der NPD-Parteizeitung Deutsche Stimme auf dem Schreibtisch. Er würde die Druckvorlage durchlesen und behilflich sein, für üble Hetzereien legale Formulierungen zu finden. Normalerweise würde Knop irgendwo in Deutschland einem Rechtsextremen vor Gericht beistehen. Vielleicht würde er dieser Tage auch mit NPD-Justiziar Frank Schwerdt telefonieren und Fragen rund um das Karlsruher Verbotsverfahren beraten.

Ingmar Knop, 39, ist bisher einer der namhaftesten Anwälte der rechtsextremen Szene gewesen. Zeitweise war er zudem einer ihrer wichtigsten Parteikader, Vize-Chef der Deutschen Volksunion (DVU), und fast wäre er deren Vorsitzender geworden. Später saß er im NPD-Bundesvorstand. Doch jetzt hat er genug. Ingmar Knop steigt aus. Er ist der höchstrangige rechte Aussteiger seit Langem. Mehrfach hat er in den vergangenen Wochen ausführliche Gespräche mit der ZEIT geführt, er will seinen Schritt nun öffentlich machen. Knop kann erzählen, wie selbst intelligente Leute sich von einer dumpfen Ideologie fangen lassen, wie es hinter den Kulissen der Naziszene zugeht – und auch darüber, wie schwer ein Ausstieg ist. Denn sein Leben liegt jetzt erst einmal in Trümmern.