Worum geht es in der aktuellen ZEIT? Was sind die wichtigsten Themen? Diese stellen ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo und der stellvertretende Chefredakteur Bernd Ulrich Ihnen hier vor.

Welches andere Land (außer Deutschland) weckt in den Deutschen die stärksten und widersprüchlichsten Gefühle? Natürlich: Israel. Jede Reise dorthin, und sei sie auch nur gedanklich, ist immer eine Reise in die Fremde und zu uns selbst. Das ZEITmagazin widmet seine komplette Ausgabe dem Staat der Juden. Im Zentrum steht die Geschichte unserer Redakteurin Annabel Wahba, die sich vor 15 Jahren in Tel Aviv verliebt hat. Ja, durchaus im doppelten Sinne. Nun ist die Deutsch-Ägypterin wieder hingefahren, herausgekommen ist eine Reportage über den Unterschied zwischen damals und heute, zwischen hier und dort. Beklemmend, deprimierend und zugleich seltsam schön ist darüber hinaus die Fotoreportage über die jüngsten Zerstörungen in den Palästinensergebieten. Ist auf diesem Gebiet überhaupt etwas Neues entstanden in den vergangenen 15 Jahren?

Früher, die Älteren erinnern sich vielleicht daran, wurde zuweilen mit einem gewissen Bedauern über Frauen gesprochen, die "keinen Mann finden". Neuerdings spricht man mit einem gewissen Erschrecken über Frauen, die keinen Mann wollen. Sie sind jung, erfolgreich, sozial voll integriert – und Single. Warum es diese immer größere Gruppe gibt, was solch selbstbestimmtes Ohne-Ihn für diese Frauen und die verschmähten Männer bedeutet, darüber macht sich in unserer Titelgeschichte Nina Pauer Gedanken.

Die Ablehnung der Todesstrafe gehört in Deutschland zum Konsens, jedenfalls zum offiziellen. Was aber, wenn ein Deutscher im Ausland ein schweres Verbrechen begeht und dafür zum Tode verurteilt wird? Stefan Willeke zeichnet in einem Dossier akribisch die Geschichte eines Deutschen nach, der in China zwei Menschen umgebracht hat. Und die Geschichte der diplomatischen Bemühungen, mit denen er vor dem Tod bewahrt werden soll: Diplomatie für einen Mörder. Ein Blick auf eine unsichtbare Seite der Außenpolitik.

70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ist es vorbei mit dem deutschen Selbsthass, das jedenfalls hat eine Studie ergeben, die in dieser Woche erscheint. Die Deutschen mögen sich, sie lieben ihr Land und mögen sogar die Migranten, jedenfalls solange sie akzentfrei Deutsch sprechen und kein Kopftuch tragen. Doch wenn man, wie im Politikteil dieser Woche geschehen, hinter die Mauern eines Flüchtlingsheimes schaut, gar in die kranken Münder syrischer Kinder, dann fragt man sich, ob in dem neuen positiven Selbstbild nicht auch ein gewisser Selbstbetrug steckt.

Von Altkanzler zu Altkanzler: Helmut Schmidt hat seinem einstigen politischen Gegner Helmut Kohl einen Brief geschrieben. Er schließt sich dessen Appell an, Russland wieder stärker einzubeziehen und die Beziehungen zwischen Ost und West zu pflegen. Kohl hat bereits dankend reagiert, und wir haben den Brief nun mit "gebührendem zeitlichen Abstand" veröffentlicht.

Ein Wort zu den Medien: Wir wollen jetzt gar nicht lange darauf herumreiten, dass die ZEIT beim diesjährigen Reporterpreis gleich drei Preise für wirklich hervorragende Artikel gewonnen hat. Aber eines möchten wir schon betonen: Solche Auszeichnungen sind wichtiger denn je, denn sie preisen herausragenden Journalismus, sie zeigen, was die Branche auch in der Krise zu leisten im Stande ist. Und noch eines: Wir beide sind fest davon überzeugt, dass heute in den Qualitätszeitungen der beste Journalismus aller Zeiten gemacht wird. Genießen Sie es!

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