Wenn eine solche Adresse in der Zeitung steht, ist es längst zu spät: Beim Farenland 42–46. Wieder eine Gelegenheit verpasst, schnell reich zu werden.

Das Grundstück ist ein halber Hektar Wildnis zwischen Einfamilienhäusern. Nachbarn wollen Fledermäuse, Waldkäuze und Goldhähnchen beobachtet haben, einzelne Bäume sind angeblich über 100 Jahre alt. Ökologisch alles sehr wertvoll.

Ihre Bewohner nennen die Gegend je nach Anlass Sasel (teuer) oder Farmsen-Berne (nicht so teuer). Hier geht es wohl eher um Sasel: Ökonomisch betrachtet ist das Grundstück derzeit eineinhalb Millionen Euro wert, mit entsprechender Bebauung mehr als dreimal so viel. Im Frühjahr wechselte es bei einer Zwangsversteigerung den Besitzer. Nun will der neue Eigentümer seine Rendite kassieren. Das heißt: Er will bauen.

Nur was? Und vor allem: wie viel?

Welche Gestalt soll Hamburg annehmen? Das ist keine ganz unwichtige Frage in einer Stadt, in der Jahr für Jahr 6000 Wohnungen gebaut werden. 30.000 Wohnungen allein in der nächsten Legislatur, zusammengerechnet ergibt das eine mittlere Stadt. Wie soll sie aussehen?

Hamburg braucht Wohnraum, die Regierung will eine "maßvolle Verdichtung der bestehenden Bebauung" erreichen. Das klingt plausibel. Hamburg ist für eine Großstadt dünn besiedelt: 2300 Einwohner teilen sich einen Quadratkilometer. In München sind es fast doppelt so viele.

Die Grünen kritisieren die Politik des Landes scharf. "Die SPD interessiert sich nur für die Zahl der zu bauenden Wohnungen", heißt es in ihrem Wahlprogramm. "Dafür werden Grünflächen geopfert" und "negative Folgen einer Nachverdichtung ignoriert". Klingt auch plausibel, aber was bedeutet es für das Bauvorhaben Beim Farenland 42–46? All die schönen Prinzipien der Stadtentwicklung, mit denen die Parteien zur Bürgerschaftswahl antreten, sind ja wertlos, wenn sie nicht dazu taugen, einen konkreten Fall zu entscheiden.

Für die ZEIT haben Experten von SPD, CDU und Grünen ihre Ansichten zu dem umstrittenen Grundstück formuliert.

Umstritten? Natürlich gibt es in Sasel eine Bürgerinitiative. Sie will "eine für die Gegend untypische Extrembebauung" verhindern. "Wir treten nicht aggressiv auf", sagt Pamela Kleefeld, eine Nachbarin des Grundstücks, und wer sie trifft, der glaubt ihr das sofort. Im Bezirksamt Wandsbek allerdings gibt es eine Mitarbeiterin, die inzwischen ihr Telefon ausstöpselt, wenn sie sich gelegentlich mit einer anderen Frage beschäftigen will als der Zukunft eines kleinen Grundstücks in Sasel. Die Stimmung sei "ungewöhnlich aufgeladen", heißt es bei der CDU.

Wie ist das mit der Extrembebauung, Frau Kleefeld?

Dieses Randgebiet von Sasel (das, nüchtern betrachtet, wohl doch eher zu Berne gehört) ist gekennzeichnet durch große, schmale Grundstücke. Jedes bot einmal Platz für ein Gebäude und einen Acker, der die Bewohner ernährte. Inzwischen haben die meisten Eigentümer ihre Äcker zu Geld gemacht. Typisch für die Gegend ist eine spezielle Form der Realteilung: Zwei oder drei Häuser stehen dicht gedrängt hintereinander, mit schmalen Zufahrten, manchmal auch nur Fußwegen zu den Hinterhäusern. Die Kleefelds wohnen selbst in einem solchen Hinterhaus, genau wie andere Mitglieder der Bürgerinitiative.

Der neue Nachbar aber treibe es zu toll, finden sie. Fünfzehn Wohnungen auf 5465 Quadratmetern, das sei übertrieben. Wo sollen die Autos parken? "Hier hat doch jeder zwei Wagen", sagt Pamela Kleefeld. Ihre Bürgerinitiative hat einen Bebauungsplan aus dem Jahr 1955 aufgetrieben, dem zufolge die geplanten Häuser die zulässigen Grenzen um wenige Prozent überschreiten. Was zu viel ist, ist zu viel, finden die Kleefelds.

Auf einem anderen Nachbargrundstück ist noch ein Acker frei, Pamela Kleefeld sieht schon die nächste Reihe der Extrembebauung vor sich. "Wehret den Anfängen", sagt sie.

"Als hinnehmbar erachten wir eine zweireihige Bebauung, erste Reihe Doppelhäuser, zweite Reihe Einzelhäuser", schreibt die Bürgerinitiative. Jeweils drei Häuser stünden nebeneinander, insgesamt würden also nicht fünfzehn neue Wohnungen gebaut, sondern nur neun.

Wohnraum ist knapp. Ist es da angemessen, einen 60 Jahre alten Plan wörtlich auszulegen, um die Verhältnisse in einer besonders dünn besiedelten Gegend einer insgesamt schon dünn besiedelten Stadt unangetastet zu lassen? Auch so kann man die Frage nach der Zukunft des Grundstücks beim Farenland formulieren. Die Landesregierung ist recht erfolgreich darin, neuen Wohnraum zu schaffen. Die "Überarbeitung des geltenden Planrechts" ist dafür aus ihrer Sicht kein zu hoher Preis. "Den geplanten massiven, vor allem Gewinninteressen geschuldeten Eingriff in Gebietsstruktur und Natur werden wir nicht hinnehmen", droht dagegen die Bürgerinitiative. Wird die "Extrembebauung" genehmigt, landet der Fall wohl vor Gericht.