Im Sommer 1814 stand das Weiße Haus in Flammen. Britische Truppen hatten es in Brand gesteckt, auch andere Gebäude im Regierungsviertel Washingtons legten sie in Schutt und Asche. Einige Monate später stellte sich US-General Andrew Jackson – der Mann auf dem 20-Dollar-Schein – nahe New Orleans einem britischen Expeditionskorps entgegen. Die Amerikaner waren zahlenmäßig weit unterlegen. Dennoch fügten sie den Briten eine vernichtende Niederlage zu.

Briten gegen Amerikaner; das Debakel von Washington und der Triumph bei New Orleans: Viel mehr wissen die meisten Amerikaner nicht zu sagen über den Britisch-Amerikanischen Krieg, der vor 200 Jahren, am 24. Dezember 1814, mit dem Frieden von Gent endete. Dass er auch gegen die Indianer des östlichen Amerika ausgefochten wurde, ist den wenigsten bewusst. Selbst viele historische Darstellungen blenden dies aus. Dabei war der Konflikt, anders als es die dominante Sicht bis heute suggeriert, keineswegs nur ein in atlantischen Küstengewässern ausgetragener Handelskrieg. Er tobte auch, ja vor allem zu Land. Und er endete nicht einfach mit einem Unentschieden zwischen amerikanischen Siedlern und Briten, sondern brach den östlich des Mississippi lebenden Native Americans das Genick.

Nach dem Unabhängigkeitskrieg waren die Beziehungen zwischen dem British Empire, dem ehemaligen Mutterland, und den USA belastet geblieben. Von 1807 an verschärften sich die Spannungen zwischen den so ungleichen Ländern sogar zusehends. Mittlerweile herrschte Napoleon über Europa, und um die französische Hegemonie zu unterminieren, blockierte die Royal Navy die Häfen an der amerikanischen Atlantikküste, was den Handel mit Frankreich fast erstickte. Außerdem kaperten die Briten immer wieder US-Schiffe, um amerikanische Matrosen in den Dienst der Royal Navy zu pressen.

Die systematische Verletzung der Handelsfreiheit und die zwangsweise Rekrutierung amerikanischer Seeleute hatten die amerikanische Öffentlichkeit schon unter Präsident Thomas Jefferson empört. Anders aber, als es die meisten Geschichtsbücher darstellen, waren es nicht diese völkerrechtswidrigen Praktiken allein, die den zweiten Krieg mit dem ehemaligen Mutterland verursachten.

Der andere, vielleicht sogar bedeutendere Kriegsgrund ergab sich aus dem ungebremsten Expansionsstreben der jungen amerikanischen Republik. Vornehmlich Kongressmitglieder aus den westlichen und südlichen Frontierstaaten setzten Jeffersons Nachfolger James Madison seit 1810 mit der Forderung unter Druck, den Briten Kanada und den Spaniern Florida zu entreißen. Diese "Kriegsfalken", wie man sie schon damals nannte, träumten davon, der Siedlerrepublik riesige Flächen neuen Farm- und Plantagenlandes zu sichern. In ihren Augen schlossen die Briten die USA nicht nur vom globalen Handel aus, sondern blockierten auch den Zugang zum "freien Land" im Westen und Norden. Schließlich setzten sich die Falken im Kongress durch: Am 18. Juni 1812 erklärte Präsident Madison dem British Empire den Krieg.

Zur selben Zeit drängten weiße Siedler in immer größerer Zahl über die Appalachen und stellten die indianischen Nationen südlich der Großen Seen vor existenzielle Zukunftsfragen: Sollten sie freiwillig ihr Territorium in Ohio verlassen, über den Mississippi ziehen und sich im Westen eine neue Existenz aufbauen? Wenn sie aber in der Heimat blieben, sollten sie dann den von der US-Regierung vorgezeichneten Weg gehen, ihren Lebensstil aufgeben und christliche Farmer werden? Oder sollten sie versuchen, sich mit der Waffe in der Hand gegen ihre Enteignung und Assimilation zu wehren?

Ein Riss ging durch die Nationen. Längst nicht alle waren entschlossen, Krieg gegen die Eindringlinge zu führen. Vor allem ein Häuptling aber, ein Mann namens Tecumseh, der den Stamm der Shawnee anführte, rief zum bewaffneten Widerstand auf und sammelte die zum Kampf entschlossenen Indianer aus dem Ohio-Gebiet um sich. Dass sie den Siedlern allein kaum die Stirn bieten könnten, war ihm klar. Mit seiner panindianischen Kriegerallianz schlug sich Tecumseh 1812 deshalb auf die Seite der Briten. Von ihnen erhoffte er sich etwas, was er von den Amerikanern niemals bekommen würde: einen zwischen Kanada und den USA gelegenen Pufferstaat, der ein selbstbestimmtes Überleben der Ohio-Nationen sichern würde. Und tatsächlich stellte General Isaac Brock, der das Oberkommando über die britischen Truppen in Kanada innehatte, Tecumseh für den Fall eines Sieges eine solche Heimstätte in Aussicht.

Die Chancen dafür standen zunächst gut. Gleich in den ersten Tagen versuchte ein amerikanisches Heer, von Detroit aus nach Kanada einzudringen, doch Brocks Truppen brachten den Vorstoß erfolgreich zum Stehen. Es war der erste von zehn amerikanischen Invasionsversuchen. Alle wurden abgewehrt. Noch im ersten Kriegssommer mussten die von britisch-indianischen Heeren belagerten Forts Dearborn und Michilimackinac kapitulieren, und Tecumseh zog an der Seite von General Brock in Detroit ein. Sein Traum schien in Erfüllung zu gehen.

Doch dann wendete sich das Blatt. Am 16. Oktober 1812 fiel General Brock in der Schlacht von Queenston Heights. Oberst Henry Procter, der seine Nachfolge antrat, verfügte nicht über dieselben militärischen Fähigkeiten und fühlte sich auch nicht in gleicher Weise an das Versprechen gebunden, das Brock Tecumseh gegeben hatte. Nach und nach gerieten die britisch-indianischen Kräfte in die Defensive. Der Nachschub stockte, die Moral der Truppe sank. Im Sommer 1813 schließlich startete ein starker, unter dem Kommando von General William Henry Harrison stehender Verband der US-Armee einen neuerlichen Invasionsversuch – diesmal mit Erfolg.

Procter ordnete den Rückzug an. Überhastet verließen seine Soldaten die Region um Detroit. So konnten sie zwar rechtzeitig auf kanadisches Gebiet entkommen, doch mussten sie zahlreiche Geschütze und viel von ihrer sonstigen Ausrüstung zurücklassen. Tecumseh warf den Briten Feigheit vor. Er flehte Procter an, den indianischen Kriegern wenigstens Gewehre und Munition zu überlassen, damit sie den Kampf gegen die Amerikaner allein wagen könnten. Doch der britische Kommandeur schlug diese Bitte aus. Die Verteidigung Kanadas war ihm wichtiger als der Kampf für ein indianisches Refugium. Hunderte von Tecumsehs Männern machten sich daraufhin aus dem Staub: Unter diesen Umständen waren sie nicht mehr zu kämpfen bereit.

In der Zwischenzeit war Harrisons Heer bis an den Thames River in der heutigen Provinz Ontario vorgerückt. Dort traf es am 5. Oktober 1813 in einer der großen Feldschlachten dieses Krieges auf die Briten und Tecumsehs Krieger. Die Amerikaner waren dem durch Hunger und mangelnde Feuerkraft demoralisierten Gegner weit überlegen. Bald durchbrachen sie die britischen Linien. Viele Soldaten Ihrer Majestät ließen sich gefangen nehmen. Andere ergriffen die Flucht, darunter auch der inzwischen zum General beförderte Procter. Tecumsehs Mitstreiter blieben alleine auf der Walstatt zurück. Verzweifelt wehrten sie sich gegen die US-Übermacht – bis ihr Anführer tödlich getroffen niedersank. Nun flohen auch die letzten Kämpfer in die umliegenden Wälder. Der panindianische Widerstand südlich der Großen Seen erlosch.

Der Britisch-Amerikanische Krieg ging unterdessen weiter. Und er spielte sich noch auf einem weiteren heute nahezu vergessenen Schauplatz ab: im Südosten der USA. Die US-Regierung hatte dort 1798 das Mississippi-Territorium eingerichtet – ungeachtet der Tatsache, dass auf diesem Gebiet seit Menschengedenken das Volk der Creek lebte. Fortan sah es sich einem verstärkten Siedlungsdruck ausgesetzt. Und wie unter den Ohio-Nationen entbrannte unter den Creek ein Streit über die Frage, wie dieser Herausforderung zu begegnen sei.