Die deutschen Fußballer im Finale von Rio, das Landelabor von Rosetta auf dem Kometen Tschuri und der Tod von Robin Williams – was uns von 2014 in Erinnerung bleibt, das muss für Nachrichten gesorgt haben. Im Guten wie im Schlechten. Wie sähe wohl so ein Jahresrückblick aus, wenn man auf den globalen Klimaschutz blickte? Viele Konferenzen, wenig Erfolg: Präsentationen des Weltklimarats in Japan (März) und Berlin (April). Im September ein Sondertreffen beim UN-Generalsekretär (ohne die Kanzlerin). Schließlich im Dezember der dürftige Gipfel von Lima ...

Was das alles gebracht hat? Erschütternd wenig. Da kann man schon den Klimablues bekommen. Als wären 2014 die Meere nicht weiter versauert! Als stiege der Ausstoß an Kohlendioxid nicht rasant! Als hätte die Forschung im letzten Jahr keine neuen Einsichten geliefert – die uns zur Eile mahnen sollten:

• Februar: Die Weltmeteorologieorganisation (WMO) setzt 2013 auf die Top Ten der wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen. Und 13 von 14 Rekordjahren fallen ins junge 21. Jahrhundert.

• April: Erstmals überschreitet die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre über der Nordhalbkugel nicht nur sporadisch, sondern einen ganzen Monat lang die symbolische Schwelle von 400 ppm gegenüber vorindustriellen 280 ppm.

• Mai: Zwei Studien über die Eisschmelze im äußersten Süden lassen aufhorchen. Erstens zeigen Messungen aus der (kleinen) Westantarktis, wie ein Gletscher unumkehrbar ins Rutschen geraten ist. Zweitens machen Modellierungen denselben Effekt für die (viel größere) Ostantarktis plausibel. Er wird von warmem Meerwasser ausgelöst. So könnte eine Schmelze in der Antarktis viel früher als bislang gedacht erheblich zum Anstieg des Meeresspiegels beitragen.

• Juli: Die WMO und die Universität Leuven bilanzieren Wasser- und Wetterextreme zwischen 1970 und 2012. Mit ihnen bringen die Forscher knapp zwei Millionen Tote und 2,4 Billionen US-Dollar an Schäden und Verlusten in Zusammenhang. Künftig steigert, das ist unstrittig, die Erderwärmung das Risiko extremer Wetterereignisse.

• November: Der neueste Weltklimabericht ist vollständig. Doch die spannendste Variable im gesamten Werk ("Klima-Sensitivität") birgt leider keine gute Botschaft. Sie haben die Forscher nur vorsichtig korrigiert: Für die Hoffnung, die Atmosphäre reagiere weniger empfindlich auf CO₂ als befürchtet, fanden sie kaum Anhaltspunkte.

Kein Rückblick ohne Ausblick. Für den Klimaschutz gilt der Gipfel von Paris im Dezember 2015 als entscheidendes Datum. Klar, bis dahin wird die Forschung weitere Details zutage fördern. Abwarten? Nein. Viel erreicht wäre schon, zöge die Weltgemeinschaft endlich die Konsequenz aus dem allseits Bekannten. Damit wir am Ende des nächsten Jahres nicht wieder den Klimablues haben.