Liverpool Street, an einem Freitag kurz vor Weihnachten. Tausende von Bankern, Fondsmanagern und Anwälten strömen durch die Bahnhofshalle in London, Männer in tadellos sitzenden Anzügen und Frauen in taillierten Kostümen. Die Armee der Finanzwelt zieht sich ins Wochenende zurück und bereitet sich aufs Fest vor. Derweil formiert sich eine kleine, aber energische Truppe von Gegnern.

Angeführt wird sie von Tracey McDermott, der Vollstreckerin der Regulierungsbehörde. Wegen Regelverstößen hat sie allein 2014 Bußgelder in Höhe von 1,4 Milliarden Pfund verhängt. Für McDermott ist der Krieg um die Stabilität des Systems längst nicht gewonnen. "Die City braucht nicht nur einen durchsetzungsfähigen Aufseher, sondern eine neue Geschäftskultur, in der Regelverstöße gar nicht erst vorkommen", sagt sie.

Justin Welby, Erzbischof von Canterbury und einst erfolgreicher Manager bei BP, ist Vordenker eines Thinktanks, der dazu beitragen will, die City von Grund auf zu erneuern. In einer Studie heißt es dort: "Aggressives und verantwortungsloses Geschäftsgebaren hat sich über mehr als ein Jahrzehnt etabliert, bis es durch die Krise entblößt wurde. Um diese vergiftete Kultur zu verändern, braucht es mindestens eine Generation." Viele Banker stünden auch heute noch unter erheblichem Druck, um jeden Preis schnell Profit zu machen. Das verleite zum Regelverstoß. Welby wie McDermott kämpfen dagegen.