Gute Nachrichten aus Niedersachsen: Im Otter-Zentrum von Hankensbüttel arbeiten Steinmarder neuerdings für die Autoindustrie, indem sie Kabel und Schläuche auf Mardersicherheit hin testen. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen, so einfach war’s schon immer, und so einfach ist’s auch heut. Nur leider sind wir hier im Feuilleton und können eine Nachricht wie diese nicht unausgedeutet passieren lassen – sonst wäre die Welt ja simpel gestrickt, und die 60 Millionen Euro Miese, die Porsche, BMW, Ferrari & Co. jährlich dank der nimmersatten Nager provozieren, lieferten nur den neuerlichen Beweis dafür, dass der wankende Riese Kapitalismus, dieses Schwein, nicht einmal mehr vor Kleintieren mit wollweißen Brüstchen, sonnenhellen Stupsnäschen und, kille, kille, gänzlich unbehaarten Fußsöhlchen haltmacht.

Was wollen die Hankensbütteler uns also sagen? Dass Marder auch nur Menschen sind und ihre Erfüllung am Fließband suchen, in der Maloche? Oder sollen wir begreifen, in welch schöpfungsverachtendem Delirium sich der ADAC inzwischen befindet, dass er Aktionen wie die obige nicht stante pede mit einer Montagsdemonstration ahndet? Wozu hängen die Gelbe-Engel-Kostüme denn zu Hause in den Spinden? Doch gemach, lieber Leser, nur nicht zu klein denken, wir sind in Maschmeyer-Land, schon vergessen, da ist alles gerne groß. Und so stehen die Marderchen, die ihre Hauerchen im Akkord mal in leckere Nano-Teilchen schlagen, mal in muffelndes PVC, nach eingehender Betrachtung unsererseits für nichts Geringeres als für die Erlösung der Welt von allem Übel.

Man muss sich bloß das Prinzip vergegenwärtigen: Nichts ist so wirksam wie der umgedrehte Spieß. Wie viel etwa wäre gewonnen, rein integrationstechnisch, wenn Horst Seehofer und Winfried Kretschmann dahoam respektive dahoim Hochdeutsch schwätzten! Warum überlasset mer Sylt ned oifach den Gewalten des Meeres- und Mietspiegels, bevor Gabriele "Latex" Pauli dort Bürgermeischterin wird? Den Ruhrpott (inklusive BVB, he he) z’ruck an die Belgier und Franzosen, die DDR, wie sie war, z’ruck an Putin – nix würde die leidige Soli-Diskussion hurtiger beenden. Wirklich leiwand aber wäre, wenn wir unsere Weihnachtsmärkte geschlossen nach Österreich verhökerten, wo sie eh hingehören. Dann käme hierzulande wenigstens a bisserl chrischtfeschtliche Schtimmung und Gesinnung auf, und die Hankensbütteler Otter-Marder frönten, von ver.di-Chef Bsirske befreit, dem Niedersachsen, ihren Lüsten wieder frei.

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