Manchmal klingen Restauranttester wie verhinderte Musikjournalisten. Etwa, wenn sie kundtun, dass Ondrej Kovar (ex-Adlon, ex-Hangar 7, ex-Bullerei) sich die Unterstützung von Marcel Görke (ex-Chezann, ex-Seven Seas) geholt hat, um im hippen East End von Hamburg ein neues Projekt anzuzetteln. Aber so ist das nun mal in der Gastronomie: Man geht zu bekannten Köchen, wird selber bekannt und strebt dann die Solokarriere an.

Die Analogie kommt an ihre Grenzen, wenn man im doch nicht gar so hippen Bergstedt den zementierten Feldweg einschlägt. Stüffel heißt er; Stüffel heißt auch das Restaurant, das seit September neben einem Hofladen die Straße beschließt. Die Felder ringsum liegen gerade brach; auf denen wird an wärmeren Tagen Tennis gespielt.

Für ein Vereinsheim macht der an drei Seiten verglaste Kubus allerdings eine Menge her. Funktional, aber freundlich ist er eingerichtet, mit Malecke für die Kinder und Flatscreen für Wimbledon. Ondrej Kovar empfängt die Gäste in kariertem Hemd und Turnschuhen. Dass er lang in der Spitzengastronomie war, verrät nur das prahlerisch drapierte Leergut unbezahlbarer Grands Crus.

Man sollte sich nicht daran stören. Der Keller ist mit gut ausgewählten Flaschen ab 15 Euro gastfreundlich bestückt. Kovar schwört mittlerweile auf leichte, erfrischende Weine. "Sie sollen das Essen begleiten wie eine unscheinbare Dame", schwadroniert er. Der Vergleich mag anfechtbar sein – die Idee ist es nicht. Das merkt man, wenn man vier Gläschen später eher beschwingt als benebelt in den Bus stadteinwärts steigt.

Auch die Küche präsentiert sich anders, als Sozialneider es einem Tennisclub andichten würden. Bestes Beispiel: die Schaumsuppe aus Kürbissen vom Nachbarhof. Statt der üblichen Veredelungsversuche mit Garnelen oder Ingwer findet man darin nur Kürbiskerne und Kürbiskernöl – ein Gericht von provokanter Geradlinigkeit.

Marcel Görke kocht zwanglos norddeutsch mit regionalen Produkten. Dem schön gebratenen Zander jubelt er als Gruß aus seiner vorpommerischen Heimat einen kuriosen Soljankasud aus Tomate und Jagdwurst unter. Diese Küche ist nicht nur räumlich denkbar weit weg vom Süllberg, wo Görke vorher war. Ab und an spürt man trotzdem einen Abglanz der zwei Sterne von dort. Seine geräucherte Entenbrust erweist sich als herbstliche Waldorfsalat-Fantasie mit Apfelgelee, Quittenkompott und Walnüssen. Das hauchdünn geschnittene Fleisch steuert nur einen feinen Rauchton bei.

Zum Abschluss bietet Kovar noch jovial "ein Käffchen" an. Warum er sich ausgerechnet hier draußen selbstständig gemacht hat? "Viel Kaufkraft, wenig Gastronomie. Außerdem wohne ich in der Nähe." Sein Stüffel lohnt auch eine weitere Fahrt. Hier genießt man die ruhige Präzision von Könnern zu Preisen, die im Zentrum kaum einer anbieten kann.

Etwas zu nörgeln findet nur der verhinderte Musikjournalist. Er möchte darum bitten, dass die Weihnachtsschmusepopbeschallung abgestellt wird.

Restaurant Stüffel, Stüffel 8, Bergstedt. Tel.: 60 90 20 50, www.restaurantstueffel.de. Geöffnet mittwochs bis freitags von 12 bis 14 Uhr und von 18 bis 21.30 Uhr, samstags und sonntags von 12 bis 21.30 Uhr. Menü ab 30 €.