Vor ein paar Jahren, als Katja Suding die Hamburger FDP das erste Mal im Wahlkampf vertrat, posierte sie im Friesennerz, die Haare zerzaust, als sei gerade ein Sturmtief durchs Fotostudio gezogen. Man fragte sich, was die Frau aus Vechta als Nächstes tragen würde, um sich beim Wähler anzudienen: Helgoländer Lotsenmützen? Oder das Dino-Kostüm von HSV-Maskottchen Hermann?

Überraschend hat sich Suding ins Feld der sexualitätskritischen Dresscodes vorgewagt. Auf den aktuellen Wahlplakaten ist sie im schwarzen Rollkragenpullover zu sehen – klassische Steve-Jobs-Referenz –, dazu der Slogan: "Unser Mann für Hamburg". Es gibt eine bösartige Lesart dieses Plakats und eine hoffnungsvolle, utopische. Die bösartige besagt: Suding repräsentiert eine Altmännerpartei, die Frauenquoten seit Jahren ablehnt. Als Mann reüssiert man leichter bei der FDP.

Nimmt man den Slogan aber wörtlich, dann wird ein genderpolitisches Fanal daraus: Diese Partei ist so liberal, da kann eine Frau mitten im Wahlkampf das Geschlecht wechseln! Wählerschichten, die andere regelmäßig verprellen – Transsexuelle, Crossdresser, überhaupt eine biophysische Festlegungen ablehnende Kreativszene –, sie alle finden hier endlich ein ideologisches zu Hause.

Das Modell sollte parteiübergreifend Schule machen. "Olaf Scholz – unsere Frau für Hamburg": Unter diesem Motto könnte der Erste Bürgermeister schon mal ausprobieren, wie es ist, Kanzlerin zu sein.

Wenn es jetzt in Foren und Blogs hämisch heißt, Suding sei "Conchita Wurst ohne Bart", dann ist das eine totale Verkennung der Lage. Conchita Wurst ist Suding mit Bart. So flexibel sind wir in Hamburg.