Was für ein Jahr! Das Kino hat wieder alles gegeben: hehre Helden und schlimme Schurken in Multimillionendollarfilmen: Noah und Captain America, die X-Men, Godzilla und Hercules sind durch, Pompeii liegt in Trümmern, der Hobbit in den letzten Zügen, Galaxien wurden Interstellar durchquert und Astronauten durch Wurmlöcher katapultiert. Und am 25. Dezember startet noch Exodus, in dem Christian Bale als Moses sein Volk über Berge von Leichen führt. durch glühende Wüsten und ein wütendes Rotes Meer, inklusive Flutwelle in 3-D, um am Ende die Zehn Gebote eigenhändig in Stein zu meißeln. Der Regisseur Ridley Scott ist zum Spezialisten für dieses Muskelkino geworden: Er hat mit Gladiator eine neue Antikenwelle ausgelöst und mit Königreich der Himmel die Belagerung von Jerusalem auf die Leinwand gebracht. Und nun Exodus – Götter und Könige als weihnachtliche Produktion der Superlative.

Diese Filme kosten den Kinogänger Zeit und Geld und belästigen ihn mit endlosen Marketingkampagnen. Tatsächlich sorgt sich Hollywood, das im vergangenen Jahr einen Besucherrückgang von fünf Prozent zu verschmerzen hatte, schon seit Längerem, die vielen Action-Blockbuster könnten einander die Zuschauer abgraben. Trotzdem hat die Firma Marvel gerade wieder ein Dutzend Superheldenfilme angekündigt, und Star Wars (Episode VII ist angekündigt für Dezember 2015) will einfach nicht zu Ende gehen – ein Desaster von der Dimension der Bankenkrise ist im Geschäft der Hollywoodmegaproduktionen nicht ausgeschlossen.

Vielleicht sollte man die Sache mit den Megafilmen anders ordnen. Nur ein Riesending pro Jahr: Weltuntergang, Fantasy und die militärisch-industrielle Weltverschwörung auf einmal. Dem Super-Mega-Monster-Bibel-Fantasy-Film würde keine Zielgruppe entkommen. Die Geschichte wäre eine Mischung aus Spiritualität, Zeitthemen, Shakespeareschem Drama, Zweiter-Weltkriegs-Heldentum, Action, und eine Altersfreigabe ab zwölf Jahren wäre anzustreben.

Ein solcher Film würde allerlei Probleme lösen. Die Studios müssten sich nicht mehr gegenseitig die Rechte für ihre Superheldengeschichten abkaufen, Hollywoodstars wie Brad Pitt, Russell Crowe, Christian Bale und Robert Downey Jr. könnten endlich einmal im Direktvergleich Entschlossenheit verkörpern, und die Special-Effects-Firmen wären ein Jahr lang ausgelastet. Das Budget von einer Milliarde Dollar – gut das Doppelte des letzten Hobbit-Etats – würde sich mühelos amortisieren, schon weil von Fast-Food-Ketten über Biermarken bis zu internationalen Uhrenkonzernen alle ins selbe Lizenzgeschäft einstiegen.

Wir Zuschauer wiederum hätten die Typen in Capes, Kutten und Rüstungen mit einem einzigen Kinobesuch erledigt und würden eine Menge Überlängenaufschläge sparen. Vor allem aber wären die Kinos das restliche Jahr über frei für Arthouse-Filme und Experimentelles. So würde zum Beispiel Adieu au langage, der erste 3-D-Film von Jean-Luc Godard, der in den Programmkinos wegen ihrer mangelnden technischen Ausstattung nicht laufen kann, endlich groß rauskommen: weltweiter Kinostart in viertausend Multiplexen mit Mega-Nacho-Menü!