Was bisher geschah (Folge 1, Folge 2, Folge 3): Einem Eichhörnchen sind Nüsse geklaut worden, nun sollen Kommissar Gordon und seine neue Assistentin, die Maus Buffy, den Dieb schnappen. Während der Kommissar Spuren sichert, verhört Buffy die Tiere in weit entfernten Wäldern – und stößt auf das listigste von allen ...

Kapitel 7: Die Polizei denkt und stempelt.

Als Buffy zurückkam, erstattete sie Kommissar Gordon Bericht. Buffy saß auf dem Besucherhocker und der Kommissar in seinem Drehstuhl. Der Kommissar unterbrach sie kein einziges Mal. Er nickte nur und machte Notizen auf seinem Papier. "Der Fuchs?", sagte der Kommissar schließlich. "Ja", sagte Buffy. "Der Gefährlichste und Listigste. Wir gehen jetzt hin und holen ihn. Und dann kommt er ins Gefängnis." – "Wie sollen wir ihn holen?", fragte der Kommissar. "Wir nehmen die Pistole und den Schlagstock. Ich kann die Pistole nehmen", sagte Buffy. "Der Schlagstock ist zu schwer für mich."

"Nein", sagte der Kommissar. "Nicht die Pistole." Er drehte seinen Stuhl hin und her. Es knirschte. "Darf ich ein bisschen im Drehstuhl sitzen?", fragte Buffy. "Nein", sagte der Kommissar. "Das ist der Chefstuhl. Aber wir können den Besucherhocker auf meine Seite stellen, dann können wir nebeneinander sitzen."

Sie stellten den Besucherhocker auf die andere Seite. Jetzt saßen beide am Tisch, die Ellbogen aufgestützt, den Kopf in den Händen. Sie dachten nach, bis der Kommissar aufstand.

"Jetzt ist es aber Zeit für warme Milch und Mittagsmuffins." Er holte vier Muffins aus der letzten Dose. Hafermuffins mit kandierten Orangenstücken. Die Mittagsmuffins schmeckten sehr gut, fanden beide. Der Kommissar sagte: "Buffy, du bist jung, schnell und kannst gut laufen, klettern und beobachten. Ich bin stolz auf dich." – "Danke", sagte Buffy. "Aber", fuhr der Kommissar fort, "du musst dir darüber im Klaren sein, dass ich alt bin. Neunzehn Jahre." – "Oha", sagte Buffy.

Der Kommissar überhörte den kleinen Ausruf. Er schaute an sich herab. Mit beiden Händen umfasste er einen dicken Wulst am Bauch. "Ich bin vielleicht nicht mehr ganz so beweglich, aber dafür habe ich einen reichen Schatz an Erfahrung. Mit dem Fuchs hatte ich schon mal zu tun. Er hatte sich den Mäusen und Kaninchen gegenüber sehr schlecht benommen. Ich habe ihn dann dazu gebracht, in einen anderen Wald zu ziehen."

"Und wie?", fragte Buffy bewundernd. "Das ist vielleicht mein wichtigster Fall. Mein schönster Fall. Irgendwann werde ich dir davon erzählen. Was ich dir aber jetzt schon sagen kann: Egal, wie furchtbar der Fuchs auch sein mag, er ist weder auf den Baum geklettert, noch hat er die Nüsse gestohlen." Buffy sagte nichts.

Der Kommissar zeigte eine Liste, die er angefertigt hatte. Dort waren alle verdächtigen Tiere verzeichnet. Daneben hatte er hier und da verschiedene Kreuze gemacht. Die erste Art Kreuz bedeutete: "Dieses Tier mag Nüsse." Die zweite Art Kreuz bedeutete: "Kommt hohe Bäume hoch." Die dritte Art Kreuz bedeutete: "Hinterlässt Spuren im Schnee."

Der Kommissar zeigte auf "FUCHS". Daneben standen zwei Kreuze. "Hinterlässt Spuren im Schnee. Mag Nüsse. Der Fuchs kann nicht auf hohe Bäume klettern. Der Fuchs kommt als Täter nicht infrage. Erfahrung." Der Kommissar drückte seinen Wulst am Bauch.

"Igel", sagte Buffy. "Und wenn es ein Igel ist?" Der Kommissar schüttelte den Kopf und zeigte auf die Liste. Dort stand: "Schläft im Winter." – "Aber welche Tiere haben drei Kreuze?", fragte Buffy. Der Kommissar sah aufmerksam auf die Liste. "Mäuse", sagte er mit Unheil verkündender Stimme. "Und Eichhörnchen." – "Eichhörnchen? Aber ..." – "Es gibt viele Eichhörnchen im Wald. Und im Moment sind alle verdächtig", sagte der Kommissar und holte den Stempel heraus. Er stellte ihn aufs Papier. Schaute, ob er genau in der Mitte stand, bewegte ihn ein wenig, bewegte ihn wieder zurück. Und drückte.

Ka-dunk!

Buffy sprang vor Aufregung auf. "Darf ich auch stempeln?" – "Nein, noch nicht! Stempeln darf man erst, wenn man seine Polizistenausbildung abgeschlossen hat. Oder wenn man weiß, wie wir diesen Fall lösen", sagte der Kommissar und zwinkerte Buffy zu. "Kannst du mich nicht zur Polizistin ausbilden?", bat Buffy. "Mir zeigen, wie man furchtbare Diebe fängt und so ..." – "Es reicht, wenn du mir zuhörst", sagte der Kommissar. "Und machst, was ich mache."

Sie saßen und dachten nach, beide mit den Köpfen auf die Hand gestützt. Als der Kommissar den Arm wechselte, wechselte Buffy ihn auch. Als der Kommissar seufzte, seufzte Buffy auch. Der Kommissar stand auf und holte zwei weitere Mittagsmuffins und stellte sie auf den Schreibtisch. "Die essen wir, wenn uns etwas eingefallen ist." Beide runzelten die Stirn. Kommissar Gordon schien die Augen völlig geschlossen zu haben. Und Buffy kratzte sich hinterm Ohr. Sie wollte so gerne einen Muffin haben. Langsam streckte sie ihren dünnen Arm aus. Der Kommissar hatte die Augen geschlossen. Sie versuchte den Muffin zu nehmen, aber der Kommissar hob seinen Finger und sagte: "Ich hab dich gesehen!"

In diesem Moment hatte Buffy einen guten Einfall. Sie strahlte. Sie zog den Kommissar zu sich hin und flüsterte ihm etwas ins Ohr. "Ja", sagte der Kommissar. "Da hast du einen guten und modernen Einfall gehabt! So machen wir’s! Und jetzt darfst du stempeln!" Buffy holte den Stempel aus der Schublade und stellte ihn sorgfältig aufs Papier. Und noch viel sorgfältiger als der Kommissar rückte sie ihn erst ein wenig nach rechts und dann wieder zurück. Und drückte. Ka-dunk! Sie lächelte stolz. Und dann aßen die beiden Polizeifreunde ihren extra Mittagsmuffin.