Meine Generation ist mit dem Bewusstsein groß geworden, dass die Geschichte der Menstruation eine Geschichte voller Missverständnisse ist. So lautete damals ein Werbeslogan für Tampons, den jedes Mädchen kannte. Ein noch größeres Missverständnis als die Geschichte der Menstruation war wohl nur noch die Geschichte, dass Spülmittel wegen der pflegenden Proteine gut für Frauenhände ist. "Sie baden Ihre Hände drin", versprach Tilly in der Palmolive-Werbung. Meine Mutter hat mir dann immer sehr leidgetan, weil sie nie so wunderschöne, manikürte Finger wie die Frauen im Fernsehen haben würde. Wir hatten eine Spülmaschine.

Heute hat meine Generation ein entspanntes Verhältnis zu Spülmaschinen und zur Menstruation. Die Zeiten sind vorbei, in denen die menstruierende Frau schambehaftet, gehemmt, beschwert war, keinen Sport machte und keine weißen Hosen trug. Doch nun plädierte der Gynäkologe Gedis Grudzinskas auf einer Veranstaltung der Universität Cambridge für einen Menstruationsurlaub: Frauen sollten während ihrer Periode entlastet werden und monatlich drei Tage bezahlt freigestellt werden. Der Grudzinskassche Gedanke ist eine Art Hitzefrei für blutende Frauen.

Und wie reagiert die weibliche Welt? Auf Twitter wird der Menstruationsurlaub von vielen gefeiert: "Endlich hat jemand meine Gebete erhöht", ist dort zu lesen. Oder: "Wenn Männer die Menstruation bekommen würden, gäbe es schon eine 3-Tage-krank-Regel."

Manchmal sind wir Frauen billig zu haben – für ein paar Arbeitstage weniger werden mal eben ein paar Jahrzehnte Emanzipationsbewegung über den Haufen geschmissen. Was hat sich der feministische Diskurs um das Image der Menstruation bemüht; angekämpft gegen das Patriarchat, das nicht nur die Frau dominierte, sondern auch die Deutung über ihren Zyklus. Noch vor hundert Jahren wurde er von männlichen Wissenschaftlern als "periodisches Irresein" verstanden, von dem die temperamentvolle Brünette heftiger betroffen sei als die spröde Blondine. Damals wurde den "Kranken" Schonung empfohlen – heute will man sie in Urlaub schicken.

Da schreiben Feministinnen mühevoll Bücher über die Periode in der Popkultur und analysieren seitenweise das Bild der menstruierenden Frau in Fernsehserien – dabei wollen manche ihrer Geschlechtsgenossinnen eigentlich nur ihre Hände in Palmolive baden.